Wasserkunst

 Veröffentlicht von am 22.10.2013
Okt 222013
 

IMG_1879Wasserkunst – dieser Begriff hat weniger mit künstlerisch anspruchsvollen Springbrunnen und Wasserspielen zu tun, sondern beschreibt die Förderung, Reinigung und Verteilung von Trinkwasser vor allem in großen Städten. In Hamburg war die Elbinsel Kaltehofe lange Zeit ein wichtiger Teil dieser Infrastruktur. Noch bis 1990 wurde hier Trinkwasser für die Hansestadt aufbereitet.

Heute informiert die Stiftung Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe auf dem Areal des ehemaligen Wasserwerks über die Geschichte der Hamburger Wasserversorgung. Neben dem Museum in der historischen Villa und einer Brunnenausstellung vermitteln die als Industriedenkmal erhaltene Filtrationsanlage und ein ausgedehnter Naturlehrpfad viele Informationen zum Thema Wasser und Naturschutz.

Mit der Begradigung der Norderelbe zwischen 1875 und 1879 wurde Kaltehofe von der Elbinsel Peute abgetrennt.
Auf der rund 60 Hektar großen Binneninsel entstand dann bis 1893 das Elbwasser-Filtrierwerk.
Der ehemalige Flusslauf und die Anlage der Absetzbecken sind auf der Schautafel im Museum gut zu erkennen.

Der Bau des Filtrierwerks wurde bereits im Jahre 1890 beschlossen. Für viele Hamburger kam diese Entscheidung jedoch zu spät. Im warmen Sommer 1892 war die Anlage noch nicht in Betrieb, als in Folge verschmutzten Wassers in der Stadt eine verheerende Cholera-Epidemie ausbrach, die tausende Opfer forderte.

„Meine Herren, ich vergesse, dass ich in Europa bin“, kommentierte Robert Koch 1892 die Zustände in Hamburg.

Als Konsequenz aus der Epidemie wurde im Dezember 1892 das „Hygienische Institut Hamburg“ gegründet. Auf Kaltehofe entstand 1894 eine Außenstelle, um die Qualität des Trinkwassers zu sichern. Teile der Laborausstattung sind heute im Obergeschoss der Jugendstil-Villa ausgestellt.

Im Kubus, dem Neubau neben der Villa, befindet sich die Brunnenausstellung. Durch einen Tunnel gelangt man in diesen Teil des Museums, in dem zahlreiche Modelle Hamburger Brunnen nachgebildet sind, unter anderem der Altonaer Stuhlmannbrunnen von 1900.

Die Absetzbecken auf dem Außengelände wurden zum Teil instand gesetzt. Besonders die „Schieberhäuschen“, die zur Regulierung der Wasserstände dienten, sind ein markanter Blickfang dieses Industriedenkmals.

Im Innern die Schieber, mit denen Zu- und Abfluss der Teiche kontrolliert wurde. Regelmäßig musste der Filtersand aus den Becken entfernt und „gewaschen“ werden.

Zum Transport des Filtersands diente eine 600mm Feldbahn. Die Schöma Lok und einige Loren sind gut erhalten und stehen auf einem Gleisstück am Absetzbecken.

Einen großen Teil des Geländes hat sich die Natur in den letzten 20 Jahren zurückerobert. So bildet Kaltehofe heute eine grüne Lunge zwischen dem Stadteil Billwerder und dem Industriestandort Peute.
Die Insel dient zahlreichen Vogelarten als Brutplatz, beherbergt sieben Fledermausarten und ist ein Rastplatz für Zugvögel.

Auf dem Naturlehrpfad kann man dies und vieles mehr über die Artenvielfalt auf der Insel erfahren.

Fazit
Ein Ausflug nach Kaltehofe lohnt sich auf jeden Fall. Am östlichen Ende des Hamburger Hafens gibt es einiges zu entdecken. Abrunden lässt sich der Besuch mit einer Tasse Tee, Kaffee oder einem Snack im Restaurant der Villa.
Auch für Kinder ist ein Besuch (besonders bei trockenem Wetter) interessant und spannend.

Links / Quellen
» Website der Stiftung Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe
» Wikipedia: Wasserkunst Kaltehofe

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