Alsterdampfer St. Georg

 Veröffentlicht von am 07.11.2013
Nov 072013
 

Im allgegenwärtigen Hamburger Hintergrundrauschen gibt es selten Töne, die einen aufhorchen lassen. Vielleicht, das tiefe Horn eines großen Kreuzfahrers auf der Elbe, oder das Brummen von Tante JU hoch am Himmel. Ein Geräusch jedoch ist manchmal zu vernehmen, dass ganz anders ist. Es klingt alt, sehr alt.

der Falke

Seit 137 Jahren ist die „St. Georg“ auf der Alster und den Kanälen in Hamburg unterwegs und wenn der satte Ton der Dampfpfeife erklingt, ist Deutschlands ältestes noch fahrendes Dampfschiff wieder auf Tour.

Foto: Stephan Bestmann / ste-be.com
 

Als „Falke“ läuft das Fahrgastschiff 1876 bei der Reiherstiegwerft in Wilhelmsburg vom Stapel und nimmt seinen Dienst in Hamburgs „weißer Flotte“ auf. Der „Falke“ hat eine bewegte Geschichte. 63 Jahre dampft er im wahrsten Sinne des Wortes im Liniendienst auf Hamburgs Binnengewässern. Mehrfach wird das Schiff umgebaut und umgetauft („Galatea“, „St. Georg“), bis es nach dem zweiten Weltkrieg schließlich nach Berlin gelangt. Zum Motorschiff umgerüstet fährt es dort unter dem Namen „Deutschland“ auf Havel und Wannsee. Seine letzten Dienstjahre fristet der ehemalige Stolz der Alsterflotte als Versorgungsschiff unter dem Namen „Planet“. Am Ende ist aus dem stolzen Schwan ein trauriger Kahn geworden.

zurück nach Hamburg

Nach 112 (!) Dienstjahren droht dem alten Dampfer 1988 schließlich die Verschrottung. Die Rettung erfolgt durch den „Verein Alsterdampfschiffahrt e.V.“ (VAD), der das Schiff auf einer Dresdener Werft aufwendig restaurieren lässt. Zurückversetzt in den Zustand der 1930er Jahre trägt es fortan wieder den Namen „St. Georg“.
Es erhält nun auch wieder eine Dampfmaschine. Die „neue“ 2-Zylinder-Maschine (Baujahr 1922) wird mit Ölfeuerung betrieben und leistet satte 75 PS, also etwa so viel wie ein durchschnittlicher Mittelklasse-PKW.
Nach einigen Jahren auf dem Trockenen hat die „St. Georg am 6. Juni 1994 dann endlich wieder Wasser unter dem Kiel und bewältigt kurze Zeit später die Reise elbabwärts nach Hamburg aus eigener Kraft.

Auf großer Fahrt…

Die Fahrt mit der „St. Georg“ ist anders. Das beginnt schon beim Ablegen, denn sie wird im Gegensatz zu den normalen Alsterdampfern noch schön mit einem ordentlichen Tau am Anleger fest gemacht. Ihre modernen Schwestern sind mittlerweile alle mit Anlegemagneten ausgerüstet. Der Wechsel von Vorwärts- auf Rückwärtsfahrt ist jedes Mal mit einem Umsteuern der Dampfmaschine verbunden. Dies geschieht mittels eines großen Handrads im Maschinenraum. Dort ist deshalb auch ein „echter“ Maschinist auf Posten.

So, wie man es heute nur noch aus alten Filmen kennt, werden die Kommandos vom Schiffsführer per Sprachrohr in den Maschinenraum übermittelt. Zum An- und Ablegen werden also mindestens drei Personen benötigt. Der Schiffsführer am Ruder, der Maschinist, der im Bauch des Schiffes die Maschine bedient und einen Festmacher, der nebenbei auch noch als Ausguck das Heck des Schiffes und die Umgebung genau im Blick behält. Bei den vergleichsweise langen Reaktionszeiten erfordern die Manöver mit dem 21 Meter Schiff auf den schmalen Kanälen schon großes Können und hohe Konzentration von der Besatzung. Vorwitzige Paddler werden mittels der eingangs erwähnten kräftigen Dampfpfeife rechtzeitig gewarnt.
Während man an Deck die frische Brise auf der Außenalster genießen kann, ist es im Maschinenraum zu jeder Jahreszeit „kuschelig“ warm. Der Ölkessel verbreitet eine ordentliche Hitze. Das ist an einem kühlen Oktobertag angenehm, im Hochsommer jedoch herrschen dort unten Temperaturen, wie man sie sonst eher aus der Sauna kennt.

…im alten Revier

Es ist der „St. Georg“ schon zu gönnen, dass sie auf ihre alten Tage wieder in das herrliche Revier im Herzen Hamburgs zurückkehren konnte. Ihr regelmäßiger Abstecher mit sauberer Wende auf dem Kuhmülhenteich ist mittlerweile fast schon legendär. Auf der Fahrt durch die Kanäle von Barmbek und Winterhude genießt man als Fahrgast einmalige Ausblicke auf Gärten und Hinterhöfe. Am Verkehrshistorischen Tag gelangen wir so bis zum Stadtpark. Der schönste Moment ist aber immer, wenn man mit dem Schiff aus einem Kanal kommend auf den großen See der Außenalster gleitet und sich der Blick öffnet auf die Brücken, Stege und Cafés am Seeufer und auf die Hamburger Innenstadt mit ihren vielen Türmen. Dann ist das Schiff dort, wo es schon im vorletzten Jahrhundert zuhause war.

Und der Ton der Dampfpfeife?
Na der gehört mittlerweile wieder fest zum Klang der Hansestadt…
Wünschen wir der „St. Georg“ deshalb immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel!

14_Lombardsbrücke_Alsterdampfer_St_Georg

Dank an ste#be!

Für das wunderbare Eingangsfoto der „St. Georg“ auf der Außenalster bedanke ich mich ganz herzlich bei Stephan Bestmann. Ich empfehle euch wärmstens einen Besuch seines Blogs ste-be.com. Stephans Bilder sind einfach phantastisch und zeigen Hamburg aus oft ungewöhnlichen und atemberaubenden Perspektiven. Ein Besuch lohnt sich.

Links

vom Stadtpark zum Jungferstieg

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