Hannoverscher Bahnhof

 Veröffentlicht von am 23.01.2013
Jan 232013
 

18_Gleisfeld_Lagerhaus_VersmannstaßeIm Hamburger Hafen liegen Vergangenheit und Zukunft dicht beieinander. Besonders beim Bau der „Hafencity“ wird dies immer wieder deutlich und die Planer stehen vor der Frage, was bewahrt werden kann und was weichen muss. Im Falle der alten Bahnanlagen betrifft das vor allem das Areal des ehemaligen „Hannoverschen Bahnhofs“. Zeit, sich auf die Suche nach den Resten des ehemaligen Hafenbahnhofs und des historischen Kopfbahnhofes zu machen.

07_U4_Hafencity_UniversitätAusgangspunk der Tour ist die neue Station „Hafencity-Universität“ der Linie U4.  am „Lohsepark“. So heißt das Quartier im Entwicklungsplan der Hafencity.

08_U4_Hafencity_UniversitätHier wollen die Quartiers-Planer den „Central Park“ der Hafencity entstehen lassen – nun denn…

U wie Uni„U“ wie „Universität“ – Das erste Gebäude, das der neuen Station Fahrgäste bescheren soll, ist zugleich auch ihr Namensgeber. Derzeit steht der Rohbau noch ziemlich allein in der Gegend.

10_Frachtschiff_Leto_BaakenhafenBrückenschlag – Die neue Brücke wird das Becken des Baakenhafens für Schiffe wie die „Leto“ endgültig verriegeln. Vorne rechts entsteht die südliche Uferpromenade des Lohseparks.

11_Gleisfeld_Lagerhaus_VersmannstaßeExpeditionsziel: Lagerhalle und Gleisfeld. Eines der letzten großen Relikte der langen Bahnhofsgeschichte auf dem Großen Grasbrook.

12_Hafencity_Warftbau_VersmannstarßeDie neue „Hafencity“ entsteht einige Meter höher, als der alte „Freihafen“, denn letzterer war Flutgebiet, d.h. Bei Sturmflut war hier „Land unter“.

13_Warftbau_Versmannstaße_MetronomDas Quartier wird deshalb auf Warften errichtet. Wir folgen der Versmannstraße Richtung Osten und hinab auf historisches „Freihafen“-Niveau.

14_Bahndamm_Versmannstraße_AnschlussgleisHier am Fuße der ehemaligen Pfeilerbahn stoßen wir auf das Anschlussgleis, das seit Abriss der historischen Pfeilerbahn vom Netz getrennt ist.

15_Bahndamm_Versmannstraße_ICEÜber unseren Köpfen auf dem Bahndamm donnert ein ICE entlang. Die historische Pfeilerbahn musste 2008 einem recht gewöhnlichen Bahndamm weichen.

16_Gleisfeld_Lagerhaus_VersmannstaßeBeginn der „Gleisharfe“. Links neben dem Gleis stand früher der Zollzaun, dahinter lag der Freihafenbahnhof „Kai rechts“ mit dem Stellwerk Sq (Sandtor Quai) . Auch einen Ablaufberg gab es. Beide sind mittlerweile verschwunden.

17_Gleisfeld_Lagerhaus_VersmannstaßeSt. Katharinen und St. Nikolai blicken aus der Altstadt herüber.

18_Gleisfeld_Lagerhaus_VersmannstaßeDas Gleisfeld vor der Halle wurde von Büschen und jungen Birken erobert.

vorne Biotop, hinte BüroturmVorne Biotop, dahinter Büroturm. Die neuen Bürogebäude des Spiegels auf der Ericusspitze prägen das Bild der Hafencity, wie sonst wohl nur die Elbphilharmonie.

20_Metronom_146_521-0_Versmannstraße_HanburgAuf der ehemaligen Pfeilerbahn dominiert heute der Metronom. Hier mit der 146 521-0, einer ehemaligen Lok der NOB.

21_Gleissperre_Versmannstaße_HamburgDie ersten Züge aus dem Süden kamen Ende des 19. Jahrhunderts hier auf dem Großen Grasbrook an. Der 1872 eröffnete „Venloer Bahnhof“ war einer der vier Hamburger Kopfbahnhöfe.

22_Gleissperre_Versmannstaße_HamburgMit der Eröffnung des Hauptbahnhofes 1906 wurde die mittlerweile „Hannoverscher Bahnhof“ genannte Anlage zum Hauptgüterbahnhof umgebaut. Nördlich und westlich des Bahnhofsgebäudes entstanden große Flächen mit Freiladegleisen.

23_Gleisfeld_Versmannstaße_IntercityDas schwärzeste Kapitel in der Geschichte des Hannoverschen Bahnhofs wurde zwischen 1940 und 1945 geschrieben. Mehr als 7600 Menschen wurden vom Großen Grasbrook aus in die nationalsozialistischen Konzentrationslager verschleppt.

49_Bahnsteig_Hannoverscher_Bahnhof_HamburgIn der Boomphase der Nachkriegsära wich der kriegsbeschädigte Bahnhof Stück für Stück dem pulsierenden Hafenbetrieb. Gras ist über das Pflaster und die Geschichte von Bahnsteig 2 gewachsen.

31_Grenze_der_AnschlußbahnDie spärlichen Reste des Bahnhofs sind mittlerweile eingezäunt und stehen unter Denkmalschutz. Es ist geplant, sie zusammen mit dem Lohseplatz in Form einer Gedenkstätte zu erhalten.

24.Prellböcke_Hafencity_UniversitätNach 70 Jahren des Schweigens und Vergessens findet an diesem Ort schließlich doch noch eine öffentliche Auseinandersetzung mit den Deportationen in den 1940er Jahren statt.

28_Prellbock_Versmannstaße_HamburgNach dem Kriege ging man aber erst einmal pragmatisch an den Wiederaufbau. Das einsturzgefährdete Hauptportal des Bahnhofs wurde 1955 gesprengt und bis Anfang der 80er wichen die letzten Reste der Seitenflügel, um neuen Hafenschuppen Platz zu machen.


27_Gleissperre_Versmannstaße_HamburgSo entstand als letzter Akt am ehemaligen Kopfbahnhof der „Cöln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft“ eine „moderne“ Logistikhalle mit Containerterminal.

26_Gleissperre_Lagerhalle_Versmannstaße_HamburgGleissperren schützen die Tore der Lagerhalle vor Irrläufern. Die Anlagen auf dem Gleisfeld sind insgesamt noch erstaunlich gut erhalten.

29_Prellböcke_VersmannstraßeLange Zeit bildete die Bahn die „natürliche“ Zollgrenze auf dem Großen Grasbrook. Südlich der Bahnlinie war Freihafengebiet, der Hauptgüterbahnhof lag jedoch auf normalem Stadtgebiet.

30_Prellböcke_VersmannstraßeUnterführungsbauwerke und Tore im Zollzaun verbanden den Hauptgüterbahnhof am „Abzweig Ericus“ (AHBN) mit dem Hafenbahnhof  „Hamburg Kai rechts“ (ASQ).

33_Lagerhalle_Versmannstraße_LKW_LaderampenDie Logistikhalle lag jedoch nicht im Freihafengebiet, sondern nördlich des Zollzauns auf normalem Stadtgebiet.

32_Lagerhalle_Versmannstraße_Hof2003 wurde der Große Grasbrook komplett aus dem Freihafen herausgenommen, um sinnvolle Rahmenbedingungen zur Entwicklung der Hafencity zu schaffen. Seit 2013 ist der Freihafen endgültig Geschichte.

34_Lagerhalle_Versmannstraße_LKW_LaderampenTraditionelle Stückgutabfertigung war typisch für den Hafenbetrieb auf dem Großen Grasbrook und in der angrenzenden Speicherstadt.

36_Lagerhalle_Versmannstraße_PortalkranDurch den Siegeszug des Containers verlagerte sich der Warenumschlag seit den Siebzigern immer mehr zu den großen Terminals im Westen des Hafens.

37_Lagerhalle_Versmannstraße_PortalkranDie immer größeren Containerschiffe erfordern entsprechend tiefes und breites Fahrwasser. Bedingungen, die weiter stromabwärts einfacher realisierbar waren.


35_Lagerhalle_Versmannstraße_PortalkranSo zählt der Portalkran am Lohseplatz dann auch zu den kleinen Exemplaren. Er diente in erster Line dem Umsetzen einzelner Container von der Straße auf die Schiene.

39_Prellböcke_LohseplatzDer Lohseplatz fungiert derzeit u.a. als Zwischenlager für Bausand. Das würde den Architekten und Ingenieur Hermann Lohse, Erbauer des Venloer Bahnhofs sicher gefallen.

40_Lohseplatz_Spiegelhaus_DeichtorhallenBlick nach Norden Richtung Innenstadt. Die Freiladegleise des Güterbahnhofs sind mittlerweile verschwunden. Rechts im Bild die Deichtorhallen. An ihrer Stelle stand einst der Berliner Bahnhof. Er war bis 1903 in Betrieb.

41_OberhafenbrückeEin Metronom überquert die Oberhafenbrücke. Sie wurde zusammen mit dem Hauptbahnhof gebaut, um die Züge vom Hannoverschen zum neuen Bahnhof weiterzuleiten.

47_ICE_Versmannstraße_HamburgUnterwegs Richtung Elbbrücken. Auf der Strecke der einstigen  „Cöln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft“ verkehren heute alle Arten von ICEs.

48_BR-101_Versmannstraße_HamburgEin weiterer typischer Vertreter ist der DB-Standard Intercity, mit der BR 101.

38_Metronom_Diesel_HamburgAm häufigsten anzutreffen ist aber mittlerweile der Metronom. Hier ein Zug nach Cuxhaven mit Dieseltraktion.

42_Lagerhalle_Versmannstraße_ex_Venloher_BahnhofEtwa dort, wo heute die Gleise des Containerterminals verlaufen, befanden sich einst die Bahnsteige des „Venloer“ bzw. „Hannoverschen Bahnhofs“.

43_Lagerhalle_Versmannstraße_ex_Hannoverscher_BahnhofAls moderner Ersatz für einen altmodischen Güterbahnhof erbaut,…

44_Lagerhalle_Versmannstraße_ex_Venloher_Bahnhof…ist die große Logistikhalle im Umfeld der wachsenden „Hafencity“ selbst schon zu einem Anachronismus geworden.

46_Lagerhalle_Versmannstraße_LohseplatzDer neue Stadtteil steht vor der Tür und drängt auf baldigen Wandel.

45_Lagerhalle_Versmannstraße_ex_Hannoverscher_Bahnhof2018 soll an dieser Stelle der Lohsepark über die Insel verlaufen. Spätestens dann ist auch diese letzte große Schuppen in der Hafencity schon wieder Geschichte.

Ganz anders wird es übrigens dem Hauptgüterbahnhof auf der Nordseite des Bahndammes ergehen. Dort im neuen Quartier „Oberhafen“ solle der historische Gebäudebestand in den neuen Stadtteil eingebracht werden, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

 

Nachtrag

18_Gleisfeld_Lagerhaus_VersmannstaßeHannoverscher Bahnhof – Teil II
Am Lohseplatz steht mittlerweile ein Informationspavillon zur geplanten Gedenkstätte.
Die große Stückguthalle wurde im Dezember 2013 abgerissen.

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  5 Antworten zu “Hannoverscher Bahnhof”

  1. Moin Sascha,

    wieder erste Sahne, Deine Bilder. Du scheinst Deine Stadt und ihre Winkel ja wirklich gut zu kennen. Hast Du mal daran gedacht, Dich beim nächsten mfm (07. September 2013) als alternativer Stadtführer (sozusagen Stattführer) anzudienen? Ich denke, Du könntest das.

    Gruß
    Micha

    • Hallo Micha,

      ich musste ganz schön googeln und fragen, um die Bilder halbwegs sinnvoll zu kommentieren. Freut mich aber sehr, dass sie Dir gefallen haben.
      Es ist schon ziemlich spannend, was da im Hafen zur Zeit so passiert.
      Eine Stadtführung mit 60 Leuten ist glaube ich z.Zt. noch etwas über mein Fähigkeiten… zumal viele Miwulaner die Stadt recht genau kennen. Aber eine kleine Tour für Interessierte am Rande des MFMs, oder auch zu anderen Zeiten würde ich mir schon zutrauen.
      Freut mich jedenfalls, dass Du hier mal wieder vorbei geschaut hast.

  2. […] z.Zt. noch etwas über mein Fähigkeiten […]

    Na, Du hast ja noch ein paar Tage zum üben. Oder wir bieten „Deine Tour“ nur für eine begrenzte Teilnehmerzahl an… 😉
    Gruß

  3. Die Fundamente des Hannoverschen Bahnhofs liegen gerade frei_ http://mprove.tumblr.com/post/84375297458

    • Faszinierend! Ich hatte schon davon gelesen, aber kaum Bilder gesehen. Danke für’s Teilen.
      Mal abwarten, was davon noch übrig bleibt. Zumindest ein Stück des Bahnsteiggleises scheint ja den Abriss der Lagerhalle ebenfalls überlebt zu haben.

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