Aufbauten – WB 700,5

 Veröffentlicht von am 04.04.2014
Apr 042014
 

Nach den vielen IT-Posts war es mal wieder Zeit, im MiWuLa nach dem Rechten zu schauen und dabei natürlich einen gründlichen Blick auf den gerade entstehenden Italien-Abschnitt zu werfen. Dort ging es in den letzten Monaten rasant voran.

Konturen

Zur Zeit ist der Aufbau der Trägerkonstruktion für die spätere Landschaft in vollem Gange. Aus Holz- und Stahlgestellen wird der Unterbau geformt. Der richtige Zeitpunkt, um die „unterirdischen“ Trassen zu verlegen und Schattenbahnhöfe zu montieren. Noch dominieren Streben und Spanten, aber wenn man genau hinschaut, ist die Form der Gebirge und Städte teilweise schon recht gut zu erkennen. Eines ist jedenfalls schon jetzt klar:

Alle Wege…


…führen nach Rom. Das gilt auch für Miniatur Italien. Im riesigen „Roma Termini“ werden Züge der vielen Strecken aus Nord- und Süditalien enden. Die langen Bahnsteige des zwölfgleisigen Kopfbahnhofs sind mittlerweile gut zu erkennen. Wie in der Realität sollen sich hier Fernzüge zu festen Zeiten treffen, um ein Umsteigen der Passagiere zu ermöglichen. Das synchrone Ein- und Ausfahren vieler langer Personenzüge dürfte aus dieser Perspektive dann sehr beeindruckend wirken.
Bis es soweit ist, müssen allerdings nicht nur ca. 1.200 Meter Gleis verlegt und verkabelt werden, sondern auch einige logistische Fragen gelöst werden.

Bisher fahren die Bahnen im Wunderland, zumindest was die Zeiten betrifft, nach dem Zufallsprinzip. Um hier in Rom einen realistischen Umsteigebetrieb zu simulieren, muss die Zugsteuerung so programmiert werden, dass möglichst viele Züge „pünktlich“, d.h. gleichzeitig, den Bahnhof erreichen. Bei einer Mischung, die von der gemütlichen Bummelbahn bis zum rasanten Hochgeschwindigkeitszug reicht, sowie den unterschiedlichen Streckenlängen der einzelnen Linien sicher noch ein kniffliges Unterfangen.

Roms Landschaft selbst wirkt jetzt schon sehr plastisch. Aus der flachen „Platte“, die wir im Januar betrachtet haben, ist ein lebendiges Relief mit ausgeprägten Konturen geworden. Mit etwas Phantasie kann man sich schon des Kolosseum an der tief eingeschnittenen Schleife des Tiber vorstellen. Ein paar Brettchen deuten die Lage der späteren Brücken an. Der Petersplatz erhebt sich als Plateau über der Stadtlandschaft. Auch der Bahnhof liegt etwas höher, als die Umgebung, so dass später ein guter Blick auf die Züge und die umliegenden Stadtgebäude möglich sein dürfte.

Die sauber geschnittenen Modulplatten, auf denen einmal verwinkelte Häuserzeilen stehen sollen, liegen teilweise etwas tiefer, als die Umgebung, um dem Besucher Einsicht in die zahlreichen Gassen und Innenhöfe zu gewähren. Dort wird sicher wieder viel Spielraum für zahlreiche Details und kleine Szenen der Modellbauer vorhanden sein und es ist bestimmt auch genug Platz für einige passende Knopfdruckaktionen vorhanden. Freuen wir uns also schon mal auf das pralle Leben in den Straßen Roms…

Unter dem Petersplatz liegen bereits Kehrgleise für die römische Tram. Ihr Verlauf, kreuz und quer durch die Stadt ist mittlerweile gut zu erkennen. Tunnelausschnitte zur Unterquerung des Hauptbahnhofs sind ebenfalls vorbereitet. Allein diese Straßenbahn wird schon für viel Bewegung im Stadtbild sorgen. Bleibt zu hoffen, dass die Bahnabteilung hier auch einen hübschen Fuhrpark auftreiben wird.

Venedig…

Die große Gleiswendel im venezianischen Hinterland wächst langsam in die Höhe. Sie wird die Bahn in mehreren Schleifen hoch über die Köpfe der Besucher führen. In luftiger Höhe können die Züge so den Gang überqueren und dann auf das Anschlussgleis des Schweiz-Abschnitts fahren. Letzteres ist bereits seit einigen Jahren vorhanden und endet derzeit in einer Kehrschleife.

Wie die Bahntrassen in den großen Schattenbahnhöfen des Italien-Abschnitts genau gebaut werden, kann man übrigens im aktuellen Video des Wunderland Italien-Blogs erfahren.

Interessantes Detail am Rande: Wie in der Realität sind hier zwei unterschiedliche Stromsysteme vorhanden. Der Italien-Abschnitt soll lt. Planung mit „Zweileitergleis“ ausgestattet werden. Auf der Schweizer Seite liegt jedoch ausgerechnet auf der Strecke, welche die Übergabe bedient, Märklin K-Gleis, also ein Mittelleiter-Gleis… Klingt so, als käme viel Arbeit auf die Schweizer Ingenieure zu.

jeden Zentimeter nutzen

Man mag es ja immer kaum glauben, wenn man die Wunderländer über Platzmangel klagen hört. 170 Quadratmeter für Italien klingen doch nach einer unglaublich großen Fläche. Wenn man allerdings bedenkt, wie landschaftlich vielseitig ein Land wie Italien ist, kann man sich vielleicht vorstellen, wie schwer die Auswahl der zu bauenden Motive war. So fiel auch der oft gewünschte Turm von Pisa der Streichliste zum Opfer.

Ein genialer Trick ermöglicht nun aber doch noch die Darstellung zahlreicher Italien-Highlights. Im Miniatur Italien entsteht ein Miniatur-Miniatur-Italien. Ein stiefelförmiger Freizeitpark am Rande der Amalfiküste bietet zusätzlichen Raum, für weitere typische Gebäude Italiens als Modell vom Modell. Für die Mitarbeiter des Wunderlandes dürfte diese doppelte Verkleinerung trotz langjähriger Erfahrung und modernster CNC-Technik ein Vorstoß in eine völlig neue Dimension sein…

Ein weiterer Trick der Modellbauer ist die Flucht nach oben. Gerade im teilweise sehr schmalen Bereich rund um die Schweiz verlaufen drei Bahnstrecken mehr oder weniger parallel. Um hier trotzdem eine abwechslungsreiche Szenerie zu schaffen und die verschiedenen Trassen auch optisch voneinander zu trennen, wird an diesen Stellen zum Teil bis unter die Decke gebaut. So entstehen auch visuell mehrere Ebenen, auf denen sich ganz unterschiedliche Themen darstellen lassen.

Gebirge bieten außerdem immer die Gelegenheit, durch Brücken und Tunnel eine zusätzliche Dramatik zu erzeugen. Besonders die zwangsläufig eher gerade verlaufende Hochgeschwindigkeitsstrecke kann so sehr dynamisch in Szene gesetzt werden.

vulkanisch

Besonders hoch reckt sich das Stahlgestell, welches einmal den Vesuv tragen wird. Der imposante Berg erfüllt später eine Doppelfunktion: Während im Bauch des Riesen die Züge auf großen Wendeschleifen in die „unterirdischen“ Schattenbahnhöfe geführt werden, sollen sich an der Oberfläche des Berges glühende Lavamassen talwärts wälzen. Sicher tüfteln die Techniker schon jetzt am besten Verfahren, um einen spektakulären Vulkanausbruch zu simulieren.

Italien wächst

Es ist immer wieder faszinierend anzusehen, wenn im Miniatur Wunderland ein neuer Abschnitt entsteht. Noch im Januar waren nur die flachen Tische und Böden voller abstrakter Pläne zu sehen. Während der letzten drei Monate wurde aus Stahl und Holz schon die große Kontur der Landschaft geformt.

Mit dem römischen Bahnhof, dem Vesuv und den Gebirgen werden die ersten Highlights der späteren Anlage sichtbar. Auch der Petersplatz, die Häuserzeilen Roms und das Kolosseum dürften einmal sehr beeindruckend wirken. Auf den schmalen, gebirgigen Küstenstreifen werden die italienischen Bahnen vom historischen Dampfzug bis zum roten Hochgeschwindigkeitszug ganz nahe am Zuschauer vorbei ziehen.

Wenn man dann noch das seltene Glück  hat,für einen kurzen Augenblick den Ausführungen des Chefmodellbauers lauschen zu dürfen, wird in der Phantasie schon jetzt ein Miniatur Italien lebendig, wie es nur im Wunderland gebaut werden kann.

Baufortschritt Italien »

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  4 Antworten zu “Aufbauten – WB 700,5”

  1. Hallo Sascha,

    vielen Dank für die tollen Bilder und Texte. Wirkliche beeindruckend, was mittlerweile schon wieder alles passiert ist.

    Viele Grüße
    Torsten

    • Hallo Torsten,

      danke fürs Vorbeischauen! Ich war wirklich erstaunt, wie weit die schon sind. Beim MFM werden wir da sicher schon Drahtgeflecht und Gips sehen…

  2. Hallo Sascha,

    wenn man obigen Bericht aufmerksam liest, ist es, als sei man persönlich dort gewesen, um alles anzuschauen 🙂

    Herzlichen Dank für Deinen gelungenen Bericht
    Alf

    • Hallo Alf,

      manchmal ist dabei sein eben alles… 😉 War wieder mal ein schöner Bummel an der Anlagenkante.

      Übrigens bin ich bei Durchsicht meiner Fotos noch auf einen weiteren schwarzen Balken gestoßen. Guck mal ins Forum.

      Viele Grüße
      Sascha

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