hintere Hafenkante

 Veröffentlicht von am 25.07.2014
Jul 252014
 

Neue Ausblicke bietet der Radweg am Oberhafen. Am 9. Juli 2014 wurde die Verbindung zwischen Rothenburgsort und den Deichtorhallen eröffnet. Die 1,4 km lange „Oberhafen Connection“, die Teil des Elberadwegs ist, ermöglich nun eine direkte Fahrt von den Elbbrücken zur Hafencity und das fern vom Autoverkehr.

neue Aussichten

Die Tour beginnt gleich mit einem Haken. So heißt der kleine Seitenarm der Norderelbe, der die Halbinsel Entenwerder im Norden begrenzt. Vom Elbpark Entenwerder führt eine Rad- und Fußwegbrücke hinauf zum Alexandra-Stieg, der in westliche Richtung vorbei am Holiday Inn zur Billhorner Brückenstraße führt.

Statt die vielbefahrene Brückenstraße, die hier das Ende der Autobahn bildet, zu überqueren, kann man sie seit Eröffnung des Radweges unterfahren. Das ermöglicht eine recht spektakuläre Brückenkonstruktion, die die Billhorner Brücke am Nordufer des Oberhafenkanals unterquert.

Von hier aus hat man einen tollen Blick auf Entenwerder. Bei Niedrigwasser fällt der Haken fast vollständig trocken und offenbart eine kleine Wattlandschaft.

Auch die Fahrt unter der Billhorner Brücke ist sehr beeindruckend. Der rege Autoverkehr erzeugt einen irgendwie beklemmenden Klangteppich, der einen begleitet, während man unter der breiten Stahlkonstruktion hindurch fährt.

Die Brücke und ihre Umgebung ist übrigens sehr schön auf „Hamburgs Brücken“ beschrieben.

Auf der anderen Seite der Brücke taucht man in die sonderbare Welt des Billhafens ein. Man findet sich wieder in einem Wirrwarr aus kreuz und quer verlaufenden Eisenbahnbrücken und alten Hafenanlagen, die von Graffiti nicht nur geziert, sondern vermutlich auch zusammen gehalten werden.

Das Hafenbecken wird wegen Versandung lange nicht mehr genutzt und ist von den Brückentrassen der Güterbahn durchzogen. Von hier bietet sich auch ein interessanter Blick auf die verschiedenen Norderelbbrücken.

Rund um die Becken des Billhafens und Oberhafens liegt ein dichtes Netz von Schienen. Bereits 1872 wurde die Hamburg-Venloer Bahn eingeweiht, die das Ruhrgebiet mit Hamburg und später auch Hannover mit Hamburg verbindet. Sie endete nach Querung der Norderelbe auf der Südseite des Oberhafens auf dem Großen Grasbrook. Über den „Hannoverschen Bahnhof“ habe ich ja bereits einiges geschrieben.

Als Letzterer 1906 mit der Fertigstellung des Hauptbahnhofs seine Funktion verlor, wurde er zum Hamburger Hauptgüterbahnhof umgebaut. Er ist vermutlich der einzige Rangierbahnhof in Deutschland, der bei Sturmflut regelmäßig abgesoffen ist.

Die ganze „Eisenbahnanlage“ wird dann noch von der Hamburger S-Bahn überfahren, die auf einer langen Stahlkastenbrücke Hafenbecken und Bahnanlagen überbrückt. Da soll noch jemand durchblicken.

Mittlerweile ist auch der Hauptgüterbahnhof nicht mehr in Betrieb. Der Güterumschlag findet heute an anderen Orten statt. Direkt im Hafen und auch auf dem Container-Hub in Moorfleet. Dorthin führen die beiden Güterstrecken, die den Billhafen aus Süden und Westen kommend so eindrucksvoll überbrücken und sich an dessen Nordufer vereinen.

Eine weitere Bahnstrecke über die Norderelbe führte über die Freihafenelbbrücke. Sie gehörte der Hamburger Hafenbahn und endete ebenfalls auf dem Großen Grasbrook, im Gegensatz zu den anderen Bahnstrecken jedoch im Zollgebiet des Freihafens. Letzterer wurde Ende 2012 aufgelöst.

Der Billhafen hat seinen Namen vom Fluss „Bille“ der in Hammerbrook ein dichtes Netz von Kanälen speist und an der Brandshofer Schleuse in die Elbe mündet. Die Schleuse, die wir auf einer weiteren Fußgängerbrücke passieren, dient neben dem eigentlichen Zweck, Schiffe vom Tidehafen auf das Niveau des Kanalnetzes zu heben, auch als Sperrwerk für den Hochwasserschutz.

Hier, wo der Billhafen in den Oberhafen übergeht, beginnt der Bereich des Hamburger Großmarktes.

Der Hamburger Großmarkt hat eine lange Geschichte. Seit den 60er Jahren befindet er sich in der riesigen, wellenförmigen Markthalle in Hammerbrook, die wir auf ganzer Länge passieren. Vorher hatte er seinen Standort u.a. an den Deichtorhallen und in der Markthalle am Steintorwall. Diese werden heute für kulturelle Zwecke genutzt.

Auf dem Großmarkt werden heute Blumen und Lebensmittel gehandelt. Zugang haben ausschließlich Gewerbetreibende, die einen entsprechenden Marktausweis besitzen. Daher ist das Gelände auch komplett eingezäunt. Um den neuen Radweg an den Markthallen vorbei zu führen, wurde eigens ein langer Metallzaun installiert, der den Weg vom Großmarktgelände trennt.

Noch im Bereich des Großmarktes passieren wir den letzten Brückenneubau der Strecke an der Hammerbrookschleuse. Von hier aus blickt man nicht nur auf die historische Schleusenanlage von 1866, sondern auch tief in den Stadtteil Hammerbrook hinein, bis zur prägnanten S-Bahnstation.
Das Kanalnetz, das hier seinen Anfang nimmt, zieht sich kilometerweit bis in den Stadtteil Hamm hinauf und über die Bille noch deutlich weiter.

Spätestens, wenn man beginnt, die vielen Brücken über Schleusen- und Mittelkanal zu zählen, versteht man vielleicht, warum Hamburg als die brückenreichste Stadt Europas gilt.
Klar, dass bei „Hamburgs Brücken“ dann auch ein lesenswerter und ausführlicher Artikel über Hammerbrook zu finden ist.

Fazit

Kurz und gut: die Strecke ist super! Man fährt fernab vom Autoverkehr ohne Ampelstopps von Rothenburgsort bis zur Oberhafenbrücke durch. Für Hamburger Verhältnisse ein echter Luxus.

Angesichts der Baukosten von über 4 Mio. EUR stand der Weg im Vorfeld in der Kritik. Die Mopo titelte „Wer stoppt den Irrsinn?“. 35 Kilometer normalen Radwegs hätte man für dieses Geld bauen können. Ja sicher, wir kennen und lieben die „normalen“ Hamburger Radwege sehr… Für die 12 Mio. EUR teure neue Baakenhafenbrücke hätte man evtl. sogar 140 Kilometer bauen können und für den Preis der Elbphilharmonie vermutlich ein kreuzungsfreies Fahrrad-Hochstraßen Netz durch die ganze Innenstadt. Also bitte!

M.E. ist das Geld für die neue Strecke gut angelegt. Das Gebiet rund um den Oberhafen wird sich im Zuge der Hafencity Projekte grundlegend wandeln. Auch eine Umsiedlung des Großmarktes wird immer wieder diskutiert. Klar ist: In den kommenden Jahrzehnten werden hier mehr Menschen leben und arbeiten und es wird viel gebaut werden. Es ist gut dass rechtzeitig die Chance ergriffen wurde, hier einen kreuzungs- und autofreien Radweg zu schaffen, solange das möglich war. Eine Wohltat für alle Hamburger Radler.

Die Strecke gehört außerdem zum Elberadweg. Von Radfahrverbänden wurde die neue Wegführung äußerst positiv aufgenommen. Selbstverständlich sollte sich Hamburg bei all den vielen Investitionen, die derzeit im Gebiet des östlichen Hafens getätigt werden, eine solche Paradestrecke leisten. Ich es finde wichtig und begrüßenswert, dass mit Fahrradtouristen mal wieder eine andere Klientel bedient wird, als die Tagesgäste der Kreuzfahrtschiffe.

Es ist ein guter Anfang, bitte mehr davon!!!

Karte

  6 Antworten zu “hintere Hafenkante”

  1. Moin, ich habe einen Schreibfehler entdeckt:

    Als Letzterer 1906 mit der Fertigstellung des Hauptbahnhofs seine Funktion verlor, wurde er zum Hamburger Hauptgüterbahnhof umgebaut. Er ist vermutlich der einzige Rangierbahnhof in Deutschland, die bei Sturmflut regelmäßig abgesoffen ist.

    Es müsste … Deutschland, DER bei Sturmflut…..

    Ansonsten…, weiter so mit diesen tollen Beiträgen 🙂

    • Moin Martin,

      danke fürs Vorbeischauen (und fürs genaue Hinschauen auch).
      Der nächste Beitrag ist schon in der Pipeline…

  2. Coole Serie! Einiges davon kenne ich, aber vieles habe ich auch noch nicht gesehen. Schöner Blick vor allem auf den Kanal mit der Hammerbrook-Schleuse!

    • Danke Jörn!

      Leider bin ich beim Radeln immer nur mit Minimal-Ausrüstung unterwegs. Die Fotos sind also eher dokumentarisch, als fotografisch inspiriert… 😉
      Mit Stativ und zur richtigen Uhrzeit müsste da aber einiges drin sein.

      • Klar, besser geht’s immer irgendwie. Ich finde deine Sachen aber schick. Du zeigst deine Fotos zudem sehr groß, so dass man wirklich richtig was sieht.

        • Da sprichst Du so einen Punkt an. Ich überlege zwischendurch immer wieder mal, von 1600 auf 1200 Pixel Breite zu reduzieren, um die Ladezeiten nicht so sehr zu strapazieren.

          Andererseits, wer wirklich in die Lightbox klickt, hat (hoffentlich) genug Muße, mal ein paar Sekunden zu warten und dafür hohe Auflösungen zu genießen. 😉

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