nightly build

 Veröffentlicht von am 01.08.2014
Aug 012014
 

Is dat Kunst, oder kann dat wech? Fragt sich manch ein Hamburger derzeit angesichts des blau beleuchteten Hafens. Auch im Web wird über den „Blueport“ rege diskutiert.
Da wollte ich mir dann doch selbst ein Bild machen. Am Ende sind es dann eine ganze Menge geworden.

Das große Anknipsen

…beginnt mit Einsetzen der Abenddämmerung. Nach und nach werden die 900 Objekte der Lichtinstallation eingeschaltet. Bis am Ende der Hafen auf einer Länge von rund achteinhalb Kilometern in blaues Licht getaucht ist.

Achteinhalb Kilometer, da fragt man sich, von wo aus man denn nun den besten Blick auf das Gesamtkunstwerk genießen will. Ich entscheide mich, am Afrika Terminal zu beginnen und mich dann via Hafencity Richtung Steinwerder vor zu arbeiten. So kann ich auch der „MS Stubnitz“ noch mal einen Besuch abstatten.

Um es kurz zu machen: Ich bleibe an diesem Abend beim Afrika Terminal  auf dem Baakenhöft hängen. Es ist einfach schön dort. Es gibt viel zu sehen und es ist einer der Plätze im Hafen, an denen man dem großen Rummel noch immer gut entkommen kann. Außerdem: Langzeitaufnahmen brauchen, wie der Name schon sagt, viel Zeit.

Zumal es neben der blauen Beleuchtung gerade hier auf dem Baakenhöft noch ein ganz anderes Kunstobjekt zu erleben gibt. Die „MS Stubnitz“, ein ehemaliger Hochsee-Trawler der DDR liegt hier am Kai.

bunte Dampfer

Heute fängt die Stubnitz keine Fische mehr, sondern bietet Platz für Veranstaltungen und Konzerte. Ein schwimmender Club ist sie (kein Clubschiff), privat betrieben vom Schweizer Urs Blaser.

Obwohl das „Kulturschiff“ thematisch ganz toll zu einer Hafenstadt wie Hamburg passt, m.E: viel besser als z.B. Motorradkorsos quer durch die Stadt, ist ihr Fortbestand akut bedroht. Die HPA wird möglicherweise die Liegegenehmigung am jetzigen Standort nicht verlängern, da das Schiff keine „hafenkonforme Nutzung“ darstelle.
Da fragt man sich dann schon, was „hafenkonform“ ist, ein Museums-Schiff mit kultureller Nutzung, oder eine Seilbahn quer über den Hauptstrom…?

nightly build

Hier noch ein paar weitere Eindrücke von der Spurensuche.
Die Bilder sind am 02.08. auf Steinwerder und an den Landungsbrücken entstanden.

Köhlbrandbrücke – Blick vom Kaiser-Wilhelm-Hafen
Schiffe am Container Terminal Tollerort

Das DOM Riesenrad vom Ellerholzdamm aus betrachtet
Elbe , Hafencity und Landungsbrücken

Die Cap San Diegeo an der Überseebrücke,
die Ricki auch, sowie die Rio Blanco im Dock Elbe 17.

Fazit

Die Eingangsfrage würde ich nach diesem Abend so beantworten:

Blueport:

Ist wirklich sehr hübsch anzusehen. Der Schöpfer des Werkes, Michael Batz verfolgt schon einen roten (bzw. blauen Faden). Außerdem – na klar – ein Sommer-Event mit hohem tourismuswirtschaftlichen Potenzial.
Ist ein Projekt, dessen künstlerischer Wert sich in den Augen des einzelnen Betrachters entwickeln kann, wenn er sich darauf einlassen will. Kommt nächste Woche wieder weg, also ruhig mal ansehen und selbst ein Bild machen.

MS Stubnitz:

Eine Kulturstätte, die Hamburg gut tut und gut steht. Alternativ und maritim wie sonst was bietet sie Raum für Veranstaltungen, die tiefer schürfen, als die sonst im Hafen so gerne geförderte Musical- und Eventkultur. Für Hamburger und Gäste eine echte Bereicherung. Außerdem als kulturelle Vorleistung für den entstehenden Stadtteil und den neuen Universitätsstandort von unschätzbarem Wert.
Ist ein Ort für Kunst und muss bleiben. Hamburg wäre wirklich mit dem Klammerbeutel gepudert, diese Chance zu vertun.

Ach ja und:

Auch das ist mir an diesem Abend noch mal klar geworden: Der Blick auf den Hafen ist u.a. deshalb so großartig, weil er echt und unverfälscht ist. Herr Batz hat für den Blueport im Hafen viele Objekte gezielt in Szene gesetzt, die den Charakter des Hafens ausmachen. Eine Seilbahn gehört nicht zu dieser Kategorie, sie passt (auch als Projektionsfläche für Kunst) total super in Berglandschaften.
Im Hafen wäre sie Disneyland-Kultur. Welcher Besucher möchte ernsthaft Gondeln auf seinen Fotos von den Landungsbrücken, der Rickmer Rickmers, oder der Cap San Diego? Einmal installiert, kann man sie nicht wieder weg räumen.

Interessanterweise macht gerade das Blueport Projekt mit seiner ausgesuchten Betonung der maritimen Elemente darauf aufmerksam.
Also hey! Das Blueport-Dings transportiert ja eine Botschaft – dann isses doch Kunst. 😉

  3 Antworten zu “nightly build”

  1. wow wow wow! Was für tolle Bilder, für die sich in der Tat das ehemalige Afrikaterminal hervorragend eignet.

    Genau wie du bin auch ich der Meinung, dass wir keine Seilbahn über den Hafen benötigen

  2. Hi Sascha,

    ich gestehe, dass ich einer von denen bin, die mit diesem „Blue-Port-Quatsch“ überhaupt nichts anfangen können. Aber fotografisch meide ich eh alles, was irgendwie nach Massenveranstaltung aussieht. In der Regel ist es nämlich so, dass kurz nach solchen „Events“ die Medien voll von Bildern daraus sind. Das ist nichts für mich. Hier kommt noch hinzu, dass (Monk lässt grüßen) der Blauton viele zu intensiv ist. Das kreischt beinahe. Dementsprechend bekommt (in meinen Augen) kaum jemand eine überzeugende Belichtung davon hin.

    Ich finde aber, dass du trotzdem ein paar schöne Momente eingefangen hast. Besonders gefällt mir das Bild mit der Cap San Diego.

    Grüße aus Rissen 🙂

    Jörn

    • Moin Jörn,

      ich kann mich ja immer mit dem „dokumentarischen Aspekt“ herausreden. Allerdings war Blueport fotografisch wirklich eine Herausforderung, da ja nebenbei auch noch „Kruse-Days“ waren und die neuralgischen Punkte im Hafen dementsprechend überlaufen waren. Ich habe in den Nächten einige Fotografen getroffen, die wegen der überlaufenen Landungsbrücken recht gefrustet waren. So entstand das Bild von der Cap San Diego dann auch erst weit nach Mitternacht, nachdem die Menschenmassen wieder verschwunden waren…

      Anstatt mich in die Massenveranstaltung zu werden, habe ich einen Fotospaziergang auf Steinwerder und auf dem Baakenhöft in einer lauen Sommernacht aber sehr genossen.

      Was Du zu den sozialen Medien schreibst, stimmt. Nach der Veranstaltung tauchten schnell Massen an verwackelten und verblitzten Fotos auf. Ich selbst fand es auch recht herausfordernd, mit einem Blaustich auf der Retina zu Fotografieren. Spaß hat es aber doch gemacht. Das lag allerdings eher am guten Wetter und der Begleitung. 😉

      Liebe Grüße
      Sascha

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