Margarinedose

 Veröffentlicht von am 13.07.2014
Jul 132014
 

Mitten im Hamburger Hafen, am Veddeler Damm steht seit einigen Jahren eine kleine schwarze Lokomotive. Sie sieht ein wenig so aus wie die „Emma“ von Jim Knopf und Lukas und sie weist Besuchern den Weg zum Hafenmuseum am Bremer Kai.
Ihr richtiger Name lautet allerdings wie eine Margarine Marke und sie hat ein bewegtes Leben hinter sich.

Sanella

Die 1937 bei A. Jung in Kirchen (Sieg) gebaute Lokomotive war trotz ihrer rheinischen Herkunft zeitlebens eine echte Hamburgerin. Als Werkslok war sie bis 1969 in Bahrenfeld bei der Margarine Union im Einsatz. Benannt ist sie nach einem der Hauptprodukte der Fabrik, „Sanella“.
Die „Sanella“ ist übrigens keine „echte“ Dampflok, sondern eine sogenannte Dampfspeicherlokomotive. Das heißt, sie hatte keine eigene Befeuerung, sondern wurde von außen mit heißem Dampf betankt.
Solche Fahrzeuge wurden gerne in feuergefährdeten Umgebungen eingesetzt, da bei diesen Maschinen keine Gefahr von Funkenflug bestand.

Immerhin sechs Stunden konnte „Sanella“ mit einer Kesselfüllung durch den Betrieb dampfen und kam dabei auf atemberaubende 15 km/h. Dass sie einen (funktionslosen) Schonstein besitzt, ist alleine dem Wunsch des Bestellers geschuldet, der das Erscheinungsbild einer „echten“ Dampflok bevorzugte. Aus selbem Grunde ist „Sanella“ mit vorne liegenden Zylindern ausgestattet. Diese liegen bei Dampfspeicherloks i.d.R. aus Gründen der besseren Gewichtsverteilung hinten, um das Fehlenden eines Kohlenkastens zu kompensieren.
Eine ungewöhnliches Lok ist „Sanella“ also allemal.

Rettung und Aufarbeitung

Nach ihrer Ausmusterung im Jahre 1969 landete „Sanella“ auf Umwegen schließlich im Lokschuppen Wilhelmsburg, wo man Anfang der 90er versuchte, ein Eisbahnmuseum aufzubauen. Beim Brand des Lokschuppens 1994 wurde sie schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Zusammen mit anderen verbliebenen Fahrzeugen wurde sie an die „Stiftung Hamburg Maritim“ übergeben und stand dann viele Jahre auf einem Abstellgleis am Rangierbahnhof Hamburg  Süd.

In direkter Nachbarschaft, am Bremer Kai entstand Anfang der 2000er eine Museumsgleisanlage, als Teil des Hafen Museums.  Dort erfolgte schließlich die Aufarbeitung der kleinen Lokomotive. Seit 2011 steht sie nun gut konserviert und frisch lackiert am Veddeler Damm und weist den Weg zum Hafenmuseum.

Tiefstack

Ebenfalls im Hafenmuseum aufgearbeitet wurde Dampfspeicherlok „Tiefstack“. Sie wurde an das „Museum der Arbeit“ abgegeben und steht heute am Bahnhof Barmbek in einem Kreisverkehr.

  Eine Antwort zu “Margarinedose”

  1. Sachen gibt’s! Also mit Schornstein schaut die kleine Lok ja wirklich aus wie eine echte Dampflok. Auch wenn sie gar keine „echte“ ist. Ich wusste gar nicht, dass das Prinzip einer Dampfspeicherlok so gut funktionierte. 6 Stunden Betriebszeit finde ich sehr beachtlich. 🙂

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