Pause auf Steinwerder

 Veröffentlicht von am 30.07.2014
Jul 302014
 

An einem gut bewetterten Sonntag in den Sommerferien hat man als Radfahrer auf Höhe der Landungsbrücken nicht immer Spaß. Nachdem mich zuerst Cabrio-Bus No 1 beim Rangieren mit dem Heck vom Radweg schubst, quatscht mich Billetverkäufer von Cabrio-Bus No 2 ein paar Meter weiter an, warum das hier wohl Fußweg hieße…

Fluchtpunkt Freihafen

Alles klar! Hier liegen heute angesichts der zu bespaßenden Besuchermassen die Nerven blank. An den Pontons drängen sich Mississippi-Dampfer und brechend volle HADAG Fähren und „He Lücht“ lockt mal wieder von allen Seiten zur letzten Abfahrt in die Hafencity.
Zum Glück beschränkt sich der Hafen nicht nur auf die Wasserkante von St. Pauli. Also geht’s am alten Elbtunnel erst mal tief runter unter die Elbe und dann quer durch den Hafen. 😉

Kommt man auf der Südseite des Tunnels wieder hinauf ans Tageslicht, ist man mit der Welt schon wieder versöhnt. Abseits des Rummels am anderen Elbufer taucht man hier auf Steinwerder in die Welt des wirklichen Hamburger Hafens ein. Rechts liegt ein Containerschiff der „Hamburg Süd“ im Trockendock von Blohm & Voss, wo auch am Sonntag die Krane in Bewegung sind.
Im Hafen wird rund um die Uhr gearbeitet, denn hier dreht sich alles um die großen Pötte. Liegezeit kostet Geld. Doch am Wochenende ist es auch auf Steinwerder ruhiger als unter der Woche. Zumindest LKW sind nur wenige unterwegs.

Auf dem breiten Radweg am Reiherdamm rollen wir Richtung Süden, vorbei an Werftanlagen, Getreidesilos, Flutmauern und Containerstapeln.

Kurz hinter der Werft am Kuhwerder Hafen fällt der Blick rechterhand auf ein riesiges planiertes Gelände. Irgendwo weit hinten in der langgestreckten Sandwüste liegen zwei große Containerschiffe wie gestrandete Wale in der Landschaft.

Über die Reste der Buchheisterstraße gelangt man zum Ende des langen Beckens des Kaiser-Wilhelm-Hafens. Hier ist es ruhig.
Auf den Landzungen links und rechts des Hafenbeckens standen noch bis vor kurzem Krane und Schuppen. Hier wurden zuletzt gemischte Güter umgeschlagen, Stückgut, Schwergut, Massengut. Auf der Südwestseite am Kronprinzkai lag lange Jahre der Unikai Container Terminal. Er wurde im Laufe der Zeit jedoch zu klein

Der traditionelle Stückgutumschlag selbst ist seit der Erfindung des Containers weltweit stark zurück gegangen. So reifte im Rathaus und bei der HPA zu Beginn der 2000er der Plan, hier einen weiteren großen Containerterminal zu bauen, den CTS.

Nach und nach wurden die Kaianlagen abgeräumt, bis schließlich im Jahre 2014 nur noch eine große planierte Fläche übrig ist. Sogar das Hafenbecken zwischen den Landzungen sollte zugeschüttet werden, um Stellplatz für Container zu schaffen.

Mittlerweile hat man jedoch von den Plänen eines weiteren großen Containerterminals wieder Abstand genommen. Die Flächen werden jedoch bis auf weiteres als Bedarfsflächen vorgehalten.
Und Bedarf ist inzwischen angemeldet.

Neben Facht aller Art wird im Hamburger Hafen vermehrt auch wieder ein anderes „Gut“ umgeschlagen. Nachdem der Passagierverkehr Jahrzehnte lang rückläufig war, laufen seit einigen Jahren wieder mehr Fahrgastschiffe den Hamburger Hafen an. Es sind die großen Kreuzfahrtschiffe von Cunard, AIDA Cruises, TUI und anderen, die die Hansestadt regelmäßig besuchen.

Da an den beiden „Cruise-Terminals“ in Altona und in der Hafencity mittlerweile die Kapazitäten knapp geworden sind, wurde 2014 mit dem Bau eines weiteren Terminals begonnen, hier mitten im Industriehafen auf Steinwerder. Da fragt man sich natürlich, was die Gäste der Kreuzfahrer hier vorfinden sollen. Ein für Touristen attraktives Ziel ist so ein Güterhafen ja nun nicht gerade und der Weg ins Stadtzentrum ist weit und umständlich.

Anders sieht die Sache aus, wenn man Hamburg nicht als Besuchsziel, sondern als Ausgangspunkt von Kreuzfahrten betrachtet. Hier sind besonders die Anfahrt und die Anzahl der verfügbaren Langzeitparkplätze ein Problem der zwei bestehenden Terminals. Spätestens 2016, wenn AIDA mit der AIDAprima, einer 300 Meter Bettenburg für über 3000 Passagiere, regelmäßig von Hamburg aus starten will, werden zusätzliche Kapazitäten gebraucht.

Tatsächlich macht es Sinn, hier außerhalb der City einen Liegeplatz für diese Zwecke zu schaffen. Platz ist hier reichlich vorhanden und die Anfahrt mit dem Auto erfolgt in den meisten Fällen eher über die Autobahnen, als über das Stadtgebiet.
Am Terminal in der Hafencity würden dann wieder mehr Kapazitäten für die Schiffe frei werden, die Hamburg als Zwischenstopp anfahren und Tagesgäste in die Stadt bringen, also z.B. die „Queens“ von Cunard.

Ganz abwegig ist die Sache also nicht. Die Kreuzschifffahrt hat übrigens im Kaiser-Wilhelm-Hafen sogar eine gewisse Tradition. Schon in den 70ern und 80ern machten hier am Schuppen 73 Kreuzfahrtschiffe fest, z.B. die legendäre „Vista Fjord“, die mancher vielleicht noch als erstes TV-Traumschiff kennt.

Die Pause am Kaiser-Wilhelm-Hafen auf Steinwerder wird also nur von kurzer Dauer sein. So ist nun mal die Dynamik des Hamburger Hafens.

Übrigens ist es dort auch nachts sehr schön.

  2 Antworten zu “Pause auf Steinwerder”

  1. Cool, wo du dich überall rumtreibst!

    • Der Wandel muss dokumentiert werden, schließlich wird dort bald schon wieder alles ganz anders aussehen. 8000 Leute sollen dort mal gleichzeitig an und von Bord der Kreuzfahrtriesen gehen… Kaum zu glauben.

      Und der Hafen ist einfach ein faszinierendes Revier.

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