Hannoverscher Bahnhof II

 Veröffentlicht von am 03.01.2014
Jan 032014
 

Wer in den letzten Wochen mit der Bahn zwischen Harburg und HBF unterwegs war, hat vielleicht die Veränderung westlich der „Pfeilerbahn“ bemerkt. Die blaue Lagerhalle auf dem Großen Grasbrook ist Geschichte. Im Dezember 2013 wurde das markante Lagerhaus abgerissen. Was bleibt ist die Aussicht auf einen neuen Park und die Erinnerung an die wechselvolle Geschichte auf dem Grund des Hannoverschen Bahnhofs.

Tschüss Blauer Riese

Am Ende ging alles ganz schnell, nicht einmal die Sturmflut am Nikolaustag konnte die Abrissarbeiten ernsthaft ins Stocken bringen. Dabei sah es lange Zeit so aus, als würde die Halle aufgrund eines Pachtvertrages noch bis 2017 erhalten bleiben. Doch der blaue Koloss war den Planern der Hafencity seit langem ein Dorn im Auge, denn das gut 8.500 qm große Gebäude blockierte den Weiterbau des Lohseparks, der geplanten „grünen Achse“ der Hafencity.
Nach langwierigen Verhandlungen konnte der Pachtvertrag zum Jahresende dann kurzfristig aufgelöst werden und umgehend rückten die Abrissbagger an. Erstaunlich, wie schnell so ein großes Gebäude abgetragen werden kann. Ich bin froh, das den Zustand des Geländes 2013 ausführlich dokumentiert zu haben, denn schon jetzt erinnert fast nichts mehr an das alte Bahngelände im Westen des Großen Grasbrooks.

geschichtsträchtiger Grund

1872 wird ziemlich genau an der Stelle, an der sich bis vor kurzem besagte Logistikhalle befand, der „Venloer Bahnhof“ eröffnet. Als vierter großer Kopfbahnhof Hamburgs bildet er den Anfangspunkt der Strecken ins Rheinland und nach Hannover. Daher rührt auch die spätere Umbenennung in „Hannoverscher Bahnhof“.
Als Personenbahnhof wird er bis zur Eröffnung es Hauptbahnhofs 1906 genutzt, danach wird er aufgrund seiner Lage im Hafengebiet zum Hauptgüterbahnhof umgebaut.

Den dunkelsten Moment in seiner Geschichte erlebt der Hannoversche Bahnhof in der NS-Zeit. Er ist Ausgangspunkt der Hamburger Deportationszüge. 7692 Menschen werden von hier aus in die Konzentrationslager verschleppt, weniger als 1000 von ihnen kommen mit dem Leben davon.
Seit einigen Jahren erinnern zwei unscheinbare Gedenktafeln am Lohseplatz an ihr Schicksal. Seit September steht nun am neu gestalteten Lohseplatz ein Informationspavillon. Mit dem Bau des Lohseparks soll in den nächsten Jahren Ein Informations- und Dokumentationszentrum zu den Deportationen entstehen. Auch ein erhaltener Teil des historischen Bahnsteigs soll in den Gedenkort integriert werden. Es ist gut, dass diese Chance, sich der Geschichte zu stellen bei der Anlage des Lohseparks nicht vertan wird.

Doch zunächst einmal müssen sich die Entwickler des neuen Stadtteils noch mit einem anderen „Erbe“ der 40er Jahre auseinandersetzen. Bevor die Fläche auf flutsicheres Niveau aufgeschüttet werden kann, muss der Kampfmittelräumdienst das gesamte Gebiet nach Bombenblindgängern aus dem 2. Weltkrieg absuchen. Es ist davon auszugehen, dass hier noch einiges im Boden steckt. Erst wenn das geschehen ist, kann der Park entstehen. Er wird übrigens nach Hermann Lohse benannt, dem Ingenieur, der dort einst den Hannoverschen Bahnhof erbaute.

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