Hannoverscher Bahnhof III

 Veröffentlicht von am 13.06.2014
Jun 132014
 

Auf der Baustelle des Lohseparks in der Hamburger Hafencity bietet sich derzeit die einmalige Gelegenheit, einen Blick auf die Fundamente eines längst verschwundenen Bauwerks zu werfen. Der alte Hannoversche Bahnhof mit seiner wechselvollen Vergangenheit ist nach vielen Jahrzehnten ein letztes Mal aus der Versenkung aufgetaucht.

Ausgrabungen

Das Gebäude, dessen Keller derzeit auf dem Großen Grasbrook ein paar Meter westlich des Bahndamms freigelegt werden, hatte viele Namen: Venloer Bahnhof, Pariser Bahnhof, Hannoverscher Bahnhof, Hauptgüterbahnhof. Über die Geschichte des 1872 eröffneten Kopfbahnhofs und die traurige Rolle in der NS-Zeit habe ich in der Vergangenheit ja bereits einiges geschrieben.
(s. Hannoverscher Bahnhof I)

Nachdem das Gebäude im zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört wurde, stand dort viele Jahre eine große Logistikhalle als Teil des Hamburger Hauptgüterbahnhofs. Südlich der Halle lag noch bis Ende 2012 die Grenze zum ehemaligen Freihafen.
(s. Tschüss Freihafen)

Mit der Umwandlung des ehemaligen Hafengebiets auf dem Großen Grasbrook in die Hafencity soll nun auf diesem Gelände als „grünes Herz“ der Hafencity, der Lohsepark entstehen. Stück für Stück wurden die ehemaligen Hafenanlagen abgebrochen, am Ende auch die große Logistikhalle.
(s. Hannoversche Bahnhof II)

Was nach Abbruch der Lagerhalle zutage gekommen ist, sieht schon beeindruckend aus. Die Katakomben vermitteln einen Eindruck der Größe des ehemaligen Bahnhofs. Er bestand aus einem Ost- und einem Westflügel, die über ein großes Hallengewölbe verbunden waren. Nach Norden schloss ein großes Portal die Bahnhofshalle, nach Süden war sie offen zum anschließenden Gleisfeld. Letzteres bediente später auch die Logistikhalle und wurde mittlerweile ebenfalls größtenteils abgeräumt.

Die umfassende Freilegung der alten Fundamente erfolgte übrigens weniger aus historischem Interesse, sondern in erster Linie, um vor der erneuten Bebauung noch einmal gründlich und mit neuesten Mitteln nach anderen historischen Relikten zu suchen. Sollten auf dem Gelände noch Fliegerbomben aus dem zweiten Weltkrieg schlummern, so müssen sie jetzt gefunden werden, bevor das Areal um mehrere Meter aufgeschüttet wird (Flutschutz).

Bleiben wird dann nur noch ein erhaltenes Stück des alten Bahnsteigs, der als Teil einer Gedenkstätte an die Deportationen der NS-Zeit erinnern wird. Wenn dann die Fahrgäste der ICEs und Metronome des 21. Jahrhunderts am neuen Hafencity-Park vorbei fahren, wird der alte Bahnhof aus dem 19. Jahrhundert wohl endgültig unter einer meterdicken Sandschicht verschwunden sein.

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