MFM 2014 – Italienische Landschaft

 Veröffentlicht von am 25.09.2014
Sep 252014
 

Der Italien-Abschnitt im Miniatur Wunderland ist in den letzten Monaten rasant gewachsen. Im Bereich der Amalfiküste und am Fuße des Vesuv ist bereits eine beeindruckende Landschaft entstanden, die erahnen lässt, wie der neue Abschnitt einmal aussehen wird.
Beim MFM bot sich nun auch endlich die Gelegenheit, einmal einen genauen Blick auf die aktuelle Baustelle in der Speicherstadt zu werfen. Hier entsteht eine faszinierende Welt.

Baustudien

Für jeden, der einmal sehen möchte, wie eine Modellbahnlandschaft Stück für Stück aufgebaut wird, bietet sich im Miniatur Wunderland in den kommenden Monaten eine einmalige Gelegenheit dazu. Als Erweiterung der großen Modellanlage entstehen dort derzeit Teile Italiens im Maßstab 1:87. Vom Tischler bis zum Modellbauer sind inzwischen alle Gewerke auf der Baustelle vertreten.

Während an einigen Stellen noch die nackten Stahlgestelle und Holzkonstruktionen bearbeitet werden, entstehen in anderen Bereichen bereits schroffe Felslandschaften aus Gips mit ersten Brücken und Gebäuden. Kunstgras lässt Wiesen, Äcker und Bergvegetation erblühen. Mit etwas Glück kann man in Rom sogar schon den Bahnfahrern bei Probefahrten mit der Tram zuschauen. Die ganze Bandbreite des Anlagenbaus ist mittlerweile auf der Italien-Baustelle zu erleben.

Neben den Schiffsfahrten im großen Wasserbecken und vielen weiteren Aktivitäten bot das MFM 2014 auch die Gelegenheit, den Italien-Abschnitt einmal genauer anzusehen.  Zu entdecken gibt es schon einiges. Hier wird eine Modellwelt gebaut, die selbst für das Wunderland neue Maßstäbe setzt.

Das beginnt schon mit der Vorbereitung. Um die neue kleine Welt möglichst realistisch zu gestalten, haben die Wunderländer im Mai 2014 erst einmal ihr gesamtes Modellbauteam auf eine einwöchige Studienreise nach Italien geschickt. Nie zuvor haben sich die Hamburger so intensiv auf einen neuen Bauabschnitt vorbereitet. Die September Ausgabe der MiWuLa TV News bietet übrigens ein paar schöne Eindrücke von der Reise der Modellbauer.

Die haben inzwischen angefangen zu bauen und das Erlebte umzusetzen. Wenn man den laufenden Baubetrieb anschaut, bekommt man eine Ahnung davon, dass hier äußerst kreative Menschen am Werk sind. Doch auch der frech lachende Schwamm, oder der schnell skizzierte Rabe auf dem Holzspant, der später als Höhlenmalerei unter den Bergen auf Nimmerwiedersehen verschwinden wird, können nicht darüber hinweg täuschen, dass hier vor allem intensiv und konzentriert gearbeitet wird.

Eigenbau

Mit dem Bau der bisherigen 8 Abschnitte haben die Mitarbeiter des Wunderlandes viele Erfahrungen gesammelt und ständig hinzu gelernt. Wurde anfangs noch überwiegend mit Fertigmodellen aus dem Baukasten gearbeitet und besondere Modelle per „Kitbashing“ realisiert, so wird heute ein großer Teil der Gebäudemodelle per CNC-Fräse in der eigenen Werkstatt hergestellt. Beim Bau des Flughafens und der Hafencity wurden die nötigen Erfahrungen mit dieser Technik gesammelt, so dass nun auch die aufwendigen historischen Bauwerke Italiens so realistisch wie möglich angefertigt werden können. Selbst die gepflasterten Gehwege Roms stammen aus der Fräse. Wie eine Tiberbrücke aus 2000 Einzelteilen entsteht, zeigt eindrucksvoll das Video „Brückenbau in Rom„.

Auch bei der Bahntechnik wird mittlerweile auf dieses Werkzeug zurückgegriffen. Für die Tramgleise im römischen Stadtbereich wurden passgenaue Rillen in Holzplatten gefräst. Anschließend wurden die Metallschienen eigeklebt, so dass der Eindruck von Straßengleisen entsteht. Im viel älteren Hamburg-Abschnitt hatte man noch das traditionelle Verfahren verwendet, fertige Außenleitergleise mit Pappstreifen zu überkleben. Die römischen Gleise sind dabei „modular“ gefertigt. Einzelne Straßenplatten können zur Wartung aus der Anlage herausgenommen werden.

Diese Methode des Gleisbaus wurde ebenfalls bereits ausgiebig erprobt. Bei der Renovierung des U-Bahn Betriebswerks im Hamburg-Abschnitt benötigte man allerdings noch zwei Anläufe, da die Schienen durch einen Messfehler zunächst falsche Abstände hatten. Die komplette Grundplatte musste daraufhin erneut angefertigt werden. In Rom wurde dieses Verfahren nun soweit perfektioniert, dass man über ein eigenes Straßenbahn-Schienensystem verfügt, dass aus einzelnen austauschbaren Modulen besteht.

Überhaupt setzt man beim Italienteil von Beginn an auf einen modularen Aufbau. In Rom werden ganze Häuserblocks auf Grundplatten gebaut, die herausgenommen werden können. Dadurch wird die spätere Wartung enorm erleichtert, denn auf der Werkbank lassen sich Änderungen und Reparaturen viel leichter vornehmen, als auf der Anlage.

Landschaftsbau

Während diese wichtigen technischen Neuerungen dem Besucher später weitgehend verborgen bleiben, wird auch im sichtbaren Bereich Neuland beschritten. Nach den eher nördlich geprägten Deutschland-Abschnitten, Skandinavien und der quietschbunten US-Anlage wagen sich die Modellbauer nun erstmals an eine sonnenbeschienene, mediterrane Landschaft. Noch immer tüfteln die Planer an der passenden Farbgebung und einer stimmigen Beleuchtung der einzelnen Bereiche Italiens. Testmodelle werden angefertigt und mit Stellproben werden Farben und Dimensionen vor Ort überprüft.

Die bereits weit fortgeschrittene Landschaftsgestaltung im Bereich um Alberobello, die bei unserem Besuch gerade frisch begrast worden war, zeigt bereits jetzt sehr eindrucksvoll, wie die Landschaft dort einmal aussehen wird. Selbst im hellen Arbeitslicht wirken Felsen, Äcker und Wiesen sehr natürlich. Die filigranen, verwitterten Steinmauern, erste Modelle der berühmten Trullihäuser und alte Gemäuer zwischen den Felsen lassen eine ruhige und doch lebendige Landschaft entstehen.

und die Eisenbahn?

Nach dem Bau des hochtechnisierten Flughafens, bei dem vor allem das einmalige Flugzeug- und Carsystem mit seinen realistischen Betriebsabläufen das Geschehen dominiert, wird in Italien nun ganz offensichtlich der Landschafts- und Modellbau wieder im Vordergund stehen.
Und natürlich wird auch die Bahn, die bei den letzten Projekten kaum eine Rolle spielte, wieder richtig zum Zuge kommen.

Das erkennt man schon allein an der beeindruckenden Gleiswendel und den riesigen unterirdischen Abstellflächen für die Züge. Entlang des schroffen Gebirges der Amalfiküste ist schon gut die lange Strecke der Hauptbahn erkennbar, die die einzelnen Orte mit dem großen Kopfbahnhof in Rom verbinden wird. Oberhalb der Ortschaften werden auf einer zusätzlichen Trasse pfeilschnelle Hochgeschwindigkeitszüge mitten durch die Berge flitzen, während auf einer alten, gewundenen Kleinbahnstrecke Oldtimerzüge gemächlich durch die Landschaft zuckeln.

In Rom war während unserer Besichtigung sogar schon reger Zugbetrieb zu beobachten. Über das kunstvoll gealterte Pflaster der römischen Straßen drehten zwei Straßenbahnwagen ihre Runden. Die Fahrzeuge stammen offensichtlich vom Hamburg-Abschnitt des Wunderlandes. Sie waren auf Testfahrt auf einer der beiden Straßenbahnlinien. Die Bahnhofslinie sollte wohl eingehend getestet werden, bevor die große Gleisplatte des Termini über die Tunneldurchfahrten der Straßenbahn gelegt wird. Dies ist inzwischen geschehen.

Im Straßenbahntunnel haben wir dann auch die ersten Miniaturbewohner Italiens gesichtet. Sie werden noch viel Gesellschaft bekommen, wenn der Bau der Anlage weiter voran schreitet. Auch mit den für das Miniatur Wunderland typischen Knopfdruckaktionen ist dann wohl wieder zu rechnen. Was genau sich die Techniker hier ausgedacht haben, ist noch nicht bekannt, aber Italien dürfte da ja jede Menge geeigneten Stoff für bewegliche und bewegende Szenen bieten…

Ein Car-System wird es in Rom hingegen nicht geben. Der Verzicht auf fahrende Autos wurde zwar schon bemängelt, ist jedoch eine kluge Entscheidung. Ein Car-System benötigt große Radien, freie Straßen und funktioniert im Dauerbetrieb nur mit Fahrzeugen in LKW-Größe zuverlässig. In Rom hingegen dominieren Kleinwagen, bevölkerte Plätze und verwinkelte Straßen das Stadtbild. Da ist die Bahn ohnehin die bessere Alternative und angesichts der vielen historischen Bauten und Sehenswürdigkeiten ist das Fehlen von rollenden Fahrzeugen kein Verlust. Die passen viel besser auf die Knuffiger Autobahn und den US-Highway.

Fazit

Eines ist inzwischen jedenfalls deutlich zu erkennen: Der zukünftige Italien-Abschnitt im Wunderland wird noch aufwendiger und detaillierter gebaut, als alle bisherigen Teile der Anlage. Auf wie viele Details hier geachtet wird und vor welche Herausforderungen der Bau der Mittelmeerlandschaft mit ihren unzähligen historischen Gebäuden die Modellbauer stellt, ist sehr schön im Italien Blog des Miniatur Wunderlandes (Lesetipp) beschrieben.

Baufortschritt Italien »

Miniatur Italien – ein Wimmelbild entsteht

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  4 Antworten zu “MFM 2014 – Italienische Landschaft”

  1. Ich bin sprachlos! Was für ein toller Beitrag, vielen lieben Dank.

    • Danke Sabine!
      Ich war auch sprachlos, als ich mir die Baustelle angesehen habe. (jedenfalls kurz…) 😉
      Wird jedenfalls richtig toll, das steht schon mal fest.

  2. Wenn Du so weiter machst, wirst Du noch zum Intimpaparazzi der Wunderländer – all Dein Hintergrundwissen, Deine Erfahrung mit den technischen Entwicklungen, alles extrem gut recherchiert und in Wort und Bild sehr professionell dem Besucher Deiner Seiten dargeboten.

    Klasse Sascha! Dankeschön!
    Arrivederci Alf

    • Moin Alf,

      danke, danke! Das meiste steht ja auch in den WBs und bei „Bella Italia“…
      …und ansonsten gibt es da ja auch noch so ein Forum, wo man immer schnell geholfen wird. 🙂

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