Miniatur Italien – ein Wimmelbild entsteht

Im September 2016 wurde nach vier Jahren Planung und Bau der Italien-Abschnitt des Miniatur Wunderlandes eröffnet. Wie aus den nackten Plänen eine verblüffende und detailverliebte mediterrane Landschaft entstand, zeigen die folgenden Fotos, die im Laufe der Bauzeit aus oft ungewöhnlichen Perspektiven aufgenommen wurden.

Zeitreise durch eine Modellbaustelle

Es ist nicht so einfach, zu beschreiben, was das Miniatur Wunderland eigentlich genau ist. Eine sehr große Modelleisenbahn? Ja, sogar die größte auf diesem Planeten. Eine Modellbauausstellung? Ja, das ganz sicher auch, doch die eigentliche Faszination, die von der Ausstellung ausgeht, ist die Dichte der vielen kleinen Szenen und Details, die in allen Ecken und Winkeln der Landschaft versteckt sind.

Mich persönlich erinnern diese Szenen immer ein wenig an die Wimmelbücher von Ali Mitgutsch. Jene großformatigen Bildbände mit liebevoll gezeichneten Welten, in denen es vor Leben und Betriebsamkeit brodelt und auf denen man immer wieder neue Einzelheiten entdeckt. Ähnlich ergeht es einem im Wunderland. Man betrachtet große, plastische Wimmelbilder, die liebevoll modelliert und akribisch ausgeschmückt sind. Schnell verliert man sich beim Anschauen in den unzähligen Details.

Mit Italien hat das große Bilderbuch in der Hamburger Speicherstadt ein weiteres spannendes Kapitel dazu bekommen. Machen wir also eine große Tour durch Bella Italia 2.0 und zugleich eine Zeitreise durch die vergangenen vier Jahre, in denen aus einer vagen Idee eine faszinierende kleine Welt entstand.

Zuvor möchte ich mich allerdings noch besonders bei Alex, Gerhard, Maik und Thomas bedanken, die ihren „Forumanen“ immer wieder die Türen zur Baustelle geöffnet haben, oft nach schon getanem Tagewerk. Ohne euch wären diese Bilder nicht zustande gekommen. Vielen, vielen Dank!

Wir beginnen unsere Wanderung am Rande der Schweiz, am…

vesuv

Vesuv

Der mächtige Berg am Rande der Anlage wird erst kurz vor der offiziellen Eröffnung Italiens fertig. Am Tage beeindruckt der Vulkan durch seine erstaunlich realistische Lavalandschaft, nachts spuckt er donnernd Feuer und Rauch und glühende Lavaströme  rollen leuchtend die Hänge hinab. Am Fuße des Vesuvs geben unterdessen die Ruinen von Pompeji ihre Geheimnisse preis.

Alberobello

Die malerische Landschaft mit ihren Olivenbäumen und den berühmten Trullis kann für sich in Anspruch nehmen, als erstes fertig geworden zu sein. Hier beginnen im Sommer 2014 die Modellbauer ihre Tournee über die Anlage, bei der sie Meter für Meter mit Draht, Gips, Lack und Grünzeug die italienische Landschaft formen.

Atrani

Atrani, meine Perle! Halt, nein, ganz soweit wollen wir dann doch nicht gehen, doch der malerische Ort, der nachts so schön leuchtet und sich tagsüber an die Felsen der Amalfiküste schmiegt, ist ein echter Hingucker.
Eingebettet in das schroffe Küstengebirge wirkt die terrassenförmige Siedlung wie ein großes Amphitheater. Tatsächlich spielen sich auf den Plätzen und Dachterrassen Klein-Atranis dann auch allerhand bemerkenswerte Szenen ab.

magische Perspektiven

Berge bauen, das können die Wunderländer schon lange, ob Küsten-, Mittel-, oder Hochgebirge, selbst den Gand Canyon haben die Hamburger bereits modelliert, doch für das Gebirge der Amalfiküste haben die Modellbauer, so scheint es, all ihre Erfahrungen zusammen genommen und mit vielen Tricks und Kniffen ein landschaftliches Meisterwerk geschaffen.
Bis unter die Decke erheben sich die Berge. Weit graben sich verwinkelte Schluchten in den schroffen Fels hinein und vermitteln dabei eine Tiefe, die staunen lässt.

Entstehung eines Meeres

Meere wurden im Wunderland schon früher gebaut, in Skandinavien sogar eines mit echtem Wasser. Die Herausforderung beim Bau der italienischen Mittelmeerküsten sind für die Modellbauer vor allem die Farben der Gebirgslandschaften und des Meeres. Es soll hell, bunt und sonnig wirken, ohne kitschig zu sein. Nach einigen Tests treffen sie schließlich genau den richtigen Ton. Mehr Sonnenlicht kann man in Hamburg wohl nicht kriegen.

Castello Aragonese

Auf einem Felssockel hockt Castello Aragonese über dem Mittelmeer. Die am Tage leuchtet die Festung im Licht der italienischen Sonne, nachts erhellen bengalische Feuer die alten Mauern.

Stazione di Rocca

Ein schmaler Steg verbindet die Amalfiküste mit Südtirol. Hier stehen die Modellbauer vor der Herausforderung, eine „kurze“ Landschaft zu gestalten. Sie entscheiden sich, einen Bahnhof zu bauen.

Once Upon A Time In The West

Die Wunderländer sind für verrückte Ideen bekannt. Die Idee, dem Italo-Western ein Denkmal zu setzen, ist eine davon. So treiben mitten in der mediterranen Landschaft Cowboys und Indianer ihr Unwesen. Erst auf den zweiten Blick erkennt man dann, dass es sich bei der Westernstadt in Wirklichkeit um eine Filmkulisse handelt.

das Monster im Berg

Nach so viel Testosteron wollten wir eigentlich ein paar ruhige Minuten in Venedig verbringen, müssen aber feststellen, dass die Stadt noch gar nicht gebaut ist, diesmal hilft da auch die Zeitmaschine nicht weiter…
Stattdessen spüren wir ein Ungetüm auf, welches sich unter den Südtiroler Alpen verbirgt.

Marmorstein und Apfelkern

In Südtirol bleibt kein Stein auf dem anderen, zumindest wenn es sich dabei um Marmorstein handelt. Aufwendig wird das Gestein aus den Bergen ins Tal geschafft. Um die Szenen im Marmorwerk zu gestalten werden aus den Modellbauern die kleinsten Bildhauer der Welt.

Willkommen in Rom

Mit dem Bau der Stadt Rom nehmen sich die Modellbauer viel vor. Man sagt, Rom wurde nicht an einem Tag erbaut. So blicken wir während der Bauzeit lange auf eine große Holzplatte mit Straßen und Schienen, die leere Flächen einrahmen und an ein frisch erschlossenes Neubaugebiet erinnern.
Als gegen Ende der Bauzeit jedoch ein kunstvoll gestaltetes Architekturmodell nach dem anderen einschwebt und sich die Puzzleteile zu einem großen Bild zusammenfügen, wird klar: Hier haben sich Gerd Dauscher und sein Team selbst übertroffen. Es gibt auf dieser Welt nichts Vergleichbares.

die Tiber-Insel

Die Altstadt Roms fasst viele historische Gebäude und Sehenswürdigkeiten des großen Vorbildes auf relativ engem Raum zusammen. Besonders interessant ist hier neben den großartigen Architekturmodellen auch der Stadtplan. In Form eines halben Sterns, dessen Mittelpunkt das angeschnittene Kolosseum bildet, stellen die Brücken über den Tiber, der das Zentrum wiederum als Halbring umschließt, Verbindungen und Bezüge zu den umliegenden Gebäuden und Plätzen her. Der Verzicht auf allzu strenge Symmetrie schafft dabei ein aufgelockertes Stadtbild mit vielen spannenden Perspektiven und Sichtachsen.

Tram

Die bunten Wagen der Straßenbahn bringen Bewegung ins römische Stadtbild. Auf verschlungenen Pfaden rollt die Tram kreuz und quer durch die Stadt, passiert Brücken, Plätze, verschwindet in Tunneln und bringt die kleinen Wunderländer vom Bahnhof zu den Sehenswürdigkeiten Roms.
Zwischendurch gönnen sich die Züge eine Verschnaufpause  im großen Depot hinterm Termini.

großer Bahnhof

Neben den historischen Bauten, wurde in Rom glücklicherweise auch der Modellbahn ein gebührender Platz eingeräumt. Als Tangente gliedert sich das größte Bauwerk der Stadt, der Kopfbahnhof Roma Termini, an den Halbkreis der Altstadt an. Hier treffen aus allen Richtungen Italiens die Personenzüge ein und sorgen für eindrucksvolle Paralleleinfahrten auf dem riesigen Gleisfeld.

Toskana

Fast unbemerkt entsteht im Hinterland Roms zwischen 2014 und 2016 eine herrliche, malerische Landschaft. Sie beruhigt das Auge des Besuchers, wenn es sich im römischen Trubel zu verlieren droht. Sanft geschwungene Hügel, üppige Weinfelder und die leuchtenden Türme und Mauern des kleinen Städtchens sind allerdings einen genaueren Blick wert. Also auf in die Toskana.

Finale in Riomaggiore

Unsere Rundreise endet in Cinque Terre. Die wilde Küstenlandschaft um den Ort Riomaggiore ist der letzte Abschnitt, den die Wunderländer fertig gestellt haben und es sieht so aus, als hätten die Modellbauer hier noch einmal all ihre Kunst ausgelebt. Wieder beeindrucken die Tiefe der Berglandschaft, die Schönheit der Gebäude und die vielen kleinen Szenen, die das Städtchen lebendig werden lassen. Auch die Bahn kommt an dieser Stelle noch einmal richtig zur Geltung. Gerd Dauscher und sein Team schaffen hier ein atemberaubendes Finale für unsere Reise durch das Meisterwerk.

Baufortschritt Italien »

Wunderland

Natürlich gibt´s im Miniatur Wunderland nicht nur Italien zu bestaunen, viele weitere Welten warten dort darauf, entdeckt zu werden. In diesem Jahr ist das Wunderland ja schon 15 Jahre alt geworden. Meine Lieblings-Gegend ist übrigens noch immer Skandinavien mit seinem großen Wasserbecken. Aber auch das ist eine andere Geschichte…

Happy Birthday – Miniatur Wunderland

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7 Antworten auf „Miniatur Italien – ein Wimmelbild entsteht“

  1. Dankeschön Sascha – hier kann man gleich ZWEI Meisterwerke besichtigen – einmal die Bereiche des Italien-Abschnittes im MiWuLa und dann noch Deine unvergleichlich aufwändige und hinreißende Arbeit mit Bildern und Texten!

    Vielen lieben Dank, es ist eine Freude, das zu betrachten (bestimmt auch öfters!).
    Alf

    1. Hallo Alf,

      freut mich, dass es gefällt. Für Dich müsste das ja sogar noch einen besonderen Erinnerungswert haben, schließlich warst Du bei den meisten Fotogelegenheiten mit dabei.

      Danke für´s Vorbeischauen 🙂

  2. Hallo Sascha,

    vielen Dank für die tolle Rund- und Zeitreise á la Eisenbahnkurier, ganz großes Kino. Ich werde Deinen Fremdenführer im Dezember mit auf die große Tour nehmen und mich treiben lassen.

    P.S. Auch wenn es manchmal etwas hektisch zugeht, die meisten Fahrzeuge in Italien haben keinen Hecktisch.

    1. Moin Torsten,

      Lieber locker vom Hocker, als hektisch… Danke, das hätte ich vermutlich in den nächsten Jahren nicht entdeckt.

      Ich hoffe, der Fremdenführer hilft bei der Reise weiter. Evtl. kann ich auch eine persönliche Führung organisieren. Es hat ja auch noch niemand die Brücken in Italien gezählt.
      😉

  3. Hi Sascha,

    eine wunderbare Reise durch Italien, die man sich mit Sicherheit nicht nur einmal reinzieht, zumal man beim Bau (wenn auch nur mit größeren Abständen :extracry2:) direkt etwas dabei sein konnte.
    Es ist immer wieder eine Freude in Deinen Blog reinzuschauen.

    Bernd

    1. Moin Bernd,

      am besten lässt sich das Wunderland nun mal in Gesellschaft betrachten. Deshalb machen mir die Rundgänge im Kreise der Forumanen auch am meisten Spaß. Gemeinsam entdeckt man einfach mehr, besonders auf Baustellen… 😉

Kommentare sind geschlossen.