YULLBE – Ein Holodeck für´s Wunderland

Verrückte Ideen sind wir vom Hamburger Miniatur Wunderland ja gewohnt. Doch mit der Eröffnung von „YULLBE“ versuchen die hanseatischen Modellbahner diesmal etwas vollkommen Neues.

Anstatt dem Besucher eine weitere kunstvolle, detailverliebte Miniaturlandschaft zu präsentieren, die von oben herab betrachtet werden kann, wird der Gast diesmal im wahrsten Sinne des Wortes mitten in die Modellwelt hinein versetzt.

Möglich macht das eine Kooperation mit dem Europa-Park Rust. In Rust entwickelt die Familie Mack seit Generationen Achterbahnen. Die Firma MACK Rides gilt als Spezialist für spektakuläre Coaster auf Weltniveau und der Europapark ist Testfeld und Ausstellungsfläche in einem. Seit einigen Jahren wird dort zudem unter dem Namen MackNeXT auch an VR-Technologien getüftelt, die als virtuelle Ergänzung auf realen Achterbahnen und auch als eigenständige „Fahrgeschäfte“ völlig neue Dimensionen eröffnen.
Ein Ergebnis dieser Entwicklung ist YULLBE, ein virtueller Raum, in dem sich Besucher durch künstliche Welten bewegen und mit ihnen interagieren können. Seit 2020 lädt die VR- Experience in Rust zu virtuellen Reisen und Abenteuern ein.

YULLBE very small
YULLBE very small

Auch wenn die Modellbauer im Norden und die Achterbahnbauer im Süden Deutschlands in gänzlich anderen Maßstäben denken, planen und entwickeln, verbindet beide Teams die Liebe zum Detail, ein Faible für Technik und der Anspruch, den Besucher kunstvoll zu unterhalten.
Als die Hamburger während der Entwicklung einer Miniatur-Loopingbahn in Rust um Hilfe fragen, kommt man sich so auch schnell näher. Die Loopingbahn gerät allerdings bald in Vergessenheit, während eine viel, viel größere Idee Formen annimmt: Das Wunderland Modell als Virtuelle Realität betretbar und erfahrbar zu machen.

Ab April 2022 wird „YULLBE Wunderland“ in der Hamburger Speicherstadt die virtuellen Tore öffnen und völlig neue Einblicke in die größte kleine Welt der Welt bieten. Wer wollte nicht schon immer mal wissen, wie es ist, in einer Modelleisenbahn zu leben?

Derzeit laufen die letzten Tests und Feinjustierungen an der Technik. Damit die Abläufe realistisch geprobt werden können, haben die Wunderländer kurz vor der Eröffnung Fans und Freunde zum Testen verdonnert. Eine gute Gelegenheit dort mal zu schnuppern…

YULLBE GO Headset
YULLBE GO Headset

GO!

Bei YULLBE gibt es derzeit zwei Arten von Erlebnis-Touren, „GO“ und „PRO“. Die zehnminütige „GO-Experience“ ist dabei die Einsteiger-Variante.
Ich bekomme am Tresen zwei Hand-Tracker, sowie einen futuristischen „Fahrradhelm“, die VR-Brille. Beim Anlegen helfen freundliche Mitarbeiter, die mich als VR-Noob geduldig in die Benutzung einweisen. Allzu schwierig ist das aber nicht. Zunächst werde ich an einen Startpunkt geführt. Im Raum laufen schon einige Menschen hin und her und machen merkwürdige Bewegungen. Also schnell den VR-Helm aufsetzen und los geht’s.

Einstieg in YULLBE GO
Einstieg in YULLBE GO

Ich sehe erst einmal nur ganz unscharf und leichte Panik kommt auf. Ist YULLBE nicht für Brillenträger geeignet? Vorsichtig schiebe ich den Helm ein wenig hin und her und drehe am Feststellrad, das Bild wird scharf und aus dem leeren Raum wird plötzlich eine bunte Welt.
Geht doch! Ich atme tief durch und stapfe los, mitten hinein in eine fantastische Kunstlandschaft.

Meine Reise führt mich zu verschiedenen Orten, die ich schon von Besuchen im Miniatur Wunderland kenne. Eigentlich hatte ich mich immer schon gefragt, wie es wäre, als kleine Figur in der Ausstellung unterwegs zu sein. Kurz gesagt: Der Perspektivwechsel ist atemberaubend!
Ich möchte hier nicht zu viel verraten, aber so viel sei gesagt: Sowohl die Miniatur-Alpen, als auch Klein-Venedig wirken sehr eindrucksvoll, wenn man plötzlich auf den Maßstab 1:87 verkleinert mitten in der Landschaft steht. Die grafische Umsetzung des Wunderlandes als 3D-Welt finde ich sehr gelungen. Vom Zug aus erblicke ich am Horizont sogar „echte“ Wunderland-Besucher hinter einem Geländer, die von oben auf mich herab schauen. In der Umgebung entdecke ich Figuren und Szenen, die mir aus der Ausstellung bekannt vorkommen. Das Wunderland ist anscheinend auch virtuell sehr detailliert und liebevoll in Szene gesetzt.

Die Zeit allerdings vergeht wie im Fluge. Schon stehe ich wieder in der echten Welt im Foyer und bekomme ein Wasser angeboten. Ich möchte aber gar kein Wasser, ich möchte mehr VR…

PRO

Zum Glück gibt es da ja noch die große Tour, die „PRO-Experience“. Sie dauert mit 30 Minuten deutlich länger, und die Möglichkeiten der Interaktion mit der VR-Welt sind stärker ausgebaut.
Das merkt man schon beim Gear up. Für YULLBE PRO ziehe ich zunächst Hand- und Fuß-Tracker an, die später die präzise Ortung von Händen und Füßen erlauben. Das ist wichtig für die Interaktion mit Gegenständen im virtuellen Raum. Außerdem bekomme ich einen formschönen Rucksack-PC verpasst. Dank der Akkus erhöht sich mein Gesamtgewicht so auch gleich um einige Kilos. Der VR-Helm, der am Rucksack baumelt, ist deutlich größer, als bei der GO-Experience. Zusätzlich zur 3D-Brille beherbergt er auch Kopfhörer und ein Mikrofon. Auch hier helfen freundliche Mitarbeiter beim Anlegen der Ausrüstung. Ich fühle mich inzwischen wie ein Astronaut vor dem Start und bin ein bisschen aufgeregt.

YOULLBE PRO Rucksäcke
YOULLBE PRO Rucksäcke

Zunächst muss ich aber erst einmal „kalibriert“ werden, damit die Kameras, die im Spielraum reihenweise an Decke und Wänden hängen, später meine Position exakt bestimmen können. Dazu stelle ich mich zusammen mit meinen Mitspielern an ein großes waagerechtes Rad, das zugleich der Ausgangspunkt der Tour ist, lege meine Hände auf zwei Kalibrierpanels und werde vermessen. Dann verschwindet der Raum um mich und ich stehe in einem weißen Schacht. Mein Gegenüber hat sich auch verändert und trägt plötzlich ein virtuelles „I love Hamburg“ T-Shirt. Eine letzte Mikrofon-Probe und los geht´s.

Der Kalibrierstand - Einstieg in die PRO Tour
Der Kalibrierstand – Einstieg in die PRO Tour

Die Story der PRO-Experience ist deutlich aufwendiger gestaltet, als bei GO. Das beginnt schon mit der Vorgeschichte. Zunächst wird für jeden Mitspieler nach dem Zufallsprinzip eine Miniatur-Figur ausgewählt, dann beginnt der Schrumpfprozess. Während ich ruck zuck kleiner werde, kracht neben mir ein ziemlich großer Bleistift zu Boden. Das hätte auch schief gehen können…
Ich blicke an mir herunter und sehe, dass ich gestreift bin wie ein Zebra. Meine Spielfigur scheint direkt aus dem Wunderland-Knast zu stammen. Schlimmer hat es aber mein Gegenüber erwischt. Er hat sich in eine Elfe mit ziemlich großen Flügeln verwandelt. Wir sind jetzt also echte Wunderland-Bewohner.

Das Holodeck
Das Holodeck

Die PRO Story ist insgesamt deutlich interaktiver. Ich drehe an Kurbeln und drücke Hebel, die den Weg frei machen. Der führt mich auf eine wilde Reise durchs Wunderland. Auch hier möchte ich nicht mehr verraten. Das Eintauchen in die kleine Welt ist jedenfalls eine sehr intensive Erfahrung. Der Weg führt wieder kreuz und quer durch die Miniatur-Welt. Viele Orte und Szenen kenne ich auch aus der „echten“ Ausstellung, aber mitten hindurch zu laufen und den Blick in alle Richtungen schweifen zu lassen ist noch mal eine ganz andere Erfahrung.

Nach einer guten halben Stunde finden wir schließlich den Ausgang aus der Miniaturwelt und zurück zu unserer normalen Körpergröße. Wir sind ziemlich außer Puste. Das liegt sowohl an der spannenden Story, als auch am Rucksack-Computer, der im Laufe der Zeit ganz schön warm wird. Trotzdem habe ich Lust, die Tour gleich noch mal zu machen…

Tracking-Kameras und jede Menge Kabel
Tracking-Kameras und jede Menge Kabel

Fazit

YULLBE Wunderland macht Spaß! Die PRO-Tour gehört technisch betrachtet derzeit wohl zur Spitze dessen, was im Ausstellungsbetrieb mit VR-Technologie machbar ist. So ungefähr habe ich mir immer das Holodeck von Raumschiff Enterprise vorgestellt.

Die Geschichten „Walking in Wunderland“ und „Die verrückte Schrumpftour“ spiegeln die Liebe zum Detail wider, die das Miniatur Wunderland von Anfang an so besonders und einzigartig macht.
Mit „YULLBE Wunderland“ haben die zwei beliebtesten Freizeitattraktionen Deutschlands, das „MiWuLa“ und der Europa-Park ein faszinierendes Crossover aus VR-Coaster und Miniaturwelt ausgetüftelt. Der Traum, einmal mitten in der größten Modelleisenbahn der Welt spazieren zu gehen, ist so tatsächlich Wirklichkeit geworden.
Schade nur, dass man in der virtuellen Welt keine Fotos machen kann, aber vielleicht findet sich da in Zukunft ja auch noch eine Lösung.

Mit der offiziellen Eröffnung am 1. April 2022 wird das Miniatur Wunderland in Hamburg um eine ganz und gar ungewöhnliche Attraktion reicher.
Übrigens: auch im Europa-Park in Rust werden die beiden neuen Stories Teil des YULLBE Programmes sein. Ebenso werden einige der Programme aus Rust auch in Hamburg angeboten, u.a. „Mission Rulantica“, „Ed & Edda“ und „Moon to Mars“.

Mehr Infos zu YULLBE findet man auf den Seiten des
Miniatur Wunderlandes
und des
Europa-Parks.

4 Antworten auf „YULLBE – Ein Holodeck für´s Wunderland“

  1. Vielen herzlichen Dank für den informativen Text und die aussagekräftigen Fotos. Es ist sehr angenehm zu Lesen wie du deine knappen 45 min. mit Yullbe erlebt hast.
    Es ist was extrem Neues, nun muss und sollte es noch von den Besuchern angenommen werden. Dazu wünsche ich dem Miwula und dem Europa Park Rust weiter alles erdenklich gute.

    1. Ich glaub, das wird ein Erfolg, da das Wunderland ohnehin schon jetzt ein Besuchermagnet ist und YULLBE wirklich ganz außergewöhnlich ist. Toll finde ich, dass die Wunderland-Shows zukünftig auch im Europa-Park gezeigt werden. Ich denke, das ist für beide Unternehmen gut.

  2. Wirklich schön beschrieben und kommentiert. Ich war auch schon Testgeschrumpfter in der Speicherstadt und kann gerne bestätigen, dass man sowohl in „GO“ als auch in „PRO“ nicht nur verkleinert, sondern zusätzlich auch noch stark verzaubert wird!

    Eine Attraktion mit unbeschreiblichen Erlebnissen. Das kann selbst Dein Blog nicht bringen – das muss man persönlich erlebt haben!

    1. Da hast Du recht Alf, das muss man wohl selbst in der (virtuellen) Realität erleben… 🙂
      Es ist schwer möglich, die vielen Eindrücke, die man während der Tour sammelt, in sinnvolle Worte zu fassen. Ich war jedenfalls erst einmal völlig sprachlos.

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